Der Blog des Schüren Verlags über Kino, Medien, Filme und was sonst so betrachtet werden kann

Kategorie: Allgemein (Seite 5 von 9)

Eine Welt ist nicht genug

Werner Herzog und seine Grenzen überschreitenden Bilderwelten

Eine Welt ist nicht genug – für Werner Herzog, den herausragenden deutschen Filmkünstler, der den deutschen Nachkriegsfilm seit 1968 mit fast 60 Filmen – u.a. Aguirre der Zorn Gottes und Fitzcarraldo – geprägt hat. Dennoch ist Werner Herzog in Deutschland nicht annähernd so präsent wie etwa Wim Wenders oder Volker Schlöndorff. Im folgenden zitieren wir aus dem Buch von Josef Schnelle aus dem Kapitel der komplizierten Beziehung zu Klaus Kinski.

Die Zärtlichkeit unter Wölfen: Herzog und Kinski bei COBRA VERDE (Bild: StudioCanal)
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Zürich: «Man ruft mich Baby»

Ein Auszug aus Renate Bergers neu erschienenen Buch Die Schauspielerin Elisabeth Bergner – Ein Leben zwischen Selbstbehauptung und MeToo

Über Elisabeth Bergners Zeit am Theater in Zürich, Solidarität unter Frauen und erste Konfrontationen mit Vermischungen von Privatem und Beruflichen

Anfang September 1916 trifft Elisabeth Bergner in Zürich ein. Die Stadt wimmelt von «Kriegsausländern», internationalen «Revolutionären, Reformatoren, Dichtern, Malern, Neutönern, Philosophen, Politikern und Friedensaposteln», Komponisten, Malern, Bildhauern, Studentinnen, Dichterinnen wie Else Lasker-Schüler, Schriftstellerinnen wie Ricarda Huch, Annette Kolb, Claire Goll, Emmy Hennings, Schauspielerinnen wie Tilla Durieux mit ihrem Mann, dem Kunsthändler Paul Cassirer, Tänzerinnen wie Mary Wigman oder Anita Berber, Malerinnen wie Marianne Werefkin, Lou Albert-Lasard oder die polyglotte Hilla Rebay von Ehrenwiesen, die auf neutralem Boden nach Resonanz und Sicherheit suchen. Man diskutiert im Café Odeon neben einem schweigsamen Herrn am Nachbartisch, Wladimir Iljitsch Lenin. Elisabeth Bergner gehört zu den Stammgästen.

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Die komplizierte Zeit der Unschuld

Fast Times at Ridgemont High ist 1982 ein prägender, aber doch nicht gewöhnlicher Vertreter des Teenfilms

Jugendliche im Film sind bis heute ein immer wiederkehrendes Problem, da meist aus der Sicht von Erwachsenen dargestellt, aus der Sicht von Menschen, die die Brücke zu den eigenen ersten beiden Lebensjahrzehnten längst abgebrannt haben und keinen Bezug mehr zu der Welt aufbauen können, deren Einwohner sie einst waren. Vielleicht liegt hier der Schlüssel zum zeitlosen Glanz von Fast Times at Ridgemont High, dessen deutscher Verleihtitel Ich glaub’, ich steh’ im Wald natürlich weitaus weniger elegant wirkt als das Original, aber so verkehrt dann wieder nicht ist. Denn es geht im Debütfilm von Regisseurin Amy Heckerling genau darum: Um Überforderung. Das Heranwachsen ist geprägt von raschen Entwicklungen, man durchlebt fast times, der Körper verändert sich, das andere Geschlecht wird plötzlich überaus interessant, man muss mehr und mehr Verantwortung übernehmen, fragt sich zunehmend, was die Zukunft bringt, wohin die Reise geht. Die einen kommen in dieser Phase der Adoleszenz ganz gut zurecht, die meisten anderen weniger – das Gefühl, das man im Wald steht, ist ein nur allzu Vertrautes.

Jennifer Jason Leigh und Phoebe Cates in FAST TIMES AT RIDGEMONT HIGH (USA 1982), © Capelight
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Blackout – Wie Figuren auf die Krise reagieren

Wie gehen Filmfiguren mit einem Stromausfall um? Denis Newiak ergründet die Frage in Blackout – Nichts geht mehr am Beispiel des Films Into the Forest (2015)

Die beiden Schwestern Nell und Eva von Into the Forest (CA 2015) leben zu Beginn des Blackouts zu dritt mit dem fürsorglichen Vater in einer schmucken Waldvilla. Leider ist das Dach nicht ganz dicht, sodass es hineinregnet, und da es bald keine Arbeitsteilung und damit auch kein Handwerk mehr gibt, wird das noch zum Problem werden. Eigentlich könnte die dreiköpfige Familie den bedrohlichen Zusammenbruch der landesweiten Stromversorgung hier ganz gut aussitzen, doch es fehlt an Benzin für den Generator und für die kleine Solarzelle wurde der Umrichter noch nicht geliefert. Kleine Fehler rächen sich nun: Nell, die Medizin studieren will, hat nachts den Kofferraum offengelassen, als sie zu Beginn des bundesweiten Blackouts eine Taschenlampe aus dem Auto geholt hat – am nächsten Morgen springt der Wagen nicht an, die Batterie ist leer. Auch die Ersatzbatterie ist spannungslos und die drei sitzen in ihrer Hütte fest.

Welche Auswirkungen hat ein flächendeckender Stromausfall und wie gehen die Figuren in Filmen und Serien damit um? Hier: Die Charaktere in FIN (‚Ende‘, S 2012) entdecken das Ausmaß des weltweitem Blackouts.
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Echtzeit im Spielfilm

Ein Auszug aus FilmZeit – Zeitdimensionen des Films über den Film Victoria (2015)

‹Echtzeit› klingt nach Authentizität, nach unverfälschter, unmittelbar direkter Darstellung und ‹live dabei sein›. Als Eigenzeit des Filmischen wird das Konzept der Echtzeit technisch zunächst mit einer Plansequenz in Verbindung gebracht. Plansequenzen laufen als lange Einstellungen in Echtzeit ab, um Kontinuität zu erzeugen und realistisch zu wirken.

Es gibt in vielen Filmen Echtzeit-Sequenzen. Seltener sind extrem lange Plansequenzen. Besonders rar sind Filme, die durchgängig in Echtzeit ablaufen. Manche von ihnen sind als Plansequenzen gedreht, wie Mike Figgis’ Timecode (USA 2000), Alexander Sokurovs Russian Ark (RUS u. a. 2002) und Sebastian Schippers Victoria (D 2015).

VICTORIA – Boxer wird zum Bankraub verpflichtet (D 2015)
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Sword and Sorcery

Aufstieg, Fall und Comeback des Fantasy-Films

Kaum ein anderes Genre hat in unserer digital technisierten Welt so viele Fans wie das Fantasy-Kino, das in einem imaginären Zeitalter mit Schwertern und Zauberern angesiedelt ist, wie etwa J. R. R. Tolkiens Der Herr der Ringe und J. K. Rowlings Harry Potter. George R. R. Martins Game of Thrones entwickelte sich zur meistdiskutierten Fantasy-TV-Serie der letzten Jahre. Sassan Niasseri widmet sich jenem Genre, das seit Beginn des neuen Jahrtausends Kino und Fernsehen dominiert wie kein anderes: Fantasy. Nach einer Blütezeit in den 1980er-Jahren ebbte die Welle ab, um vor 20 Jahren mit Macht zurück in die Kinos zu kommen.

DVD-Cover von DER HERR DER RINGE – DIE GEFÄHRTEN (© Warner)
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Erinnerungen im Film

Thomas Koebner widmet sich in seinem neuesten Buch der filmischen Darstellung von Erinnerungen

Erinnerungen tauchen manchmal auf wie Inseln im Meer des Vergessens. Oder um eine andere Metapher zu verwenden: Wie zuvor geschlossene Türen öffnen sie sich unvermutet und geben den Blick in die Zeit frei, die einmal war. Meist ist von der Erinnerung einer Person die Rede – auch im Film herrscht diese ‹Eindimensionalität› vor, wahrscheinlich, weil es leichter ist, sich auf die Perspektive einer Person zu konzentrieren. Aber der Film durchbricht die Innensicht, selbst wenn er manchmal absichtsvoll den Gesichtskreis einschränkt, weil er notgedrungen immer auch eine objektive Umwelt abbildet. Die Kamera sieht generell mehr als der subjektive Blick einer Figur.

UN BALCON SUR LA MER (F 2010), © Melimedias
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THE FATHER – Einer der besten Filme des Jahres 2021

Packendes Drama um Demenz und Identitätsverlust, das konsequent aus Sicht eines 80-jährigen Mannes erzählt ist, dessen Verwirrung sich unmittelbar überträgt

Wo denn seine Armbanduhr bloß wieder sei? Er sei sich sicher, sie auf dem Nachttisch abgelegt zu haben. Aber wahrscheinlich habe die Pflegekraft, die täglich kommt, sie gestohlen. Man müsse sie gleich entlassen.

Diese Szene wird sich mehrmals wiederholen. Sie ist ein emblematisches Beispiel dafür, wie alltägliche Dinge für ältere Menschen eine immer größere Macht bekommen. Sie sind mit Bedeutung aufgeladen; wenn sie verschwinden, gerät die Welt aus den Fugen.

Olivia Colman und Anthony Hopkins in THE FATHER, © Tobis
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«Ich traue den Bildern grundsätzlich alles zu.» – Ulrike Ottinger im Gespräch

Die Filmemacherin Ulrike Ottinger wird am 6. Juni 2022 80. Zu diesem Anlass bringen wir heute schon einmal einen Auszug über den Film Madame X (1977) aus dem Augenblick 84: Ulrike Ottinger im Gespräch

Das Gespräch mit Ulrike Ottinger (UO) haben am 23. und 24. Juni 2021 Beate Ochsner (BO) und Bernd Stiegler (BS) geführt.

BO: Vielleicht bleiben wir bei Madame X. Der Film wurde ja, das haben Sie erwähnt, zum Teil sehr kritisch betrachtet, vor allem im Kontext eines feministischen Filmverständnisses. Theodor Geus titelt seine Rezension des Films «Struwwelpeter für Emanzen», hat den Film aber auch mit dem Lehrstück à la Brecht verglichen, was ihm eine politische Dimension unterstellt. Gertrud Koch bestätigt dies, wenn sie von einer «Emanzipationsparabel» spricht. Das kritische feministische Denken hat sich ja weiterentwickelt und womöglich würde man heutzutage nicht mehr von feststehenden Geschlechtern sprechen. Wie beurteilen Sie das aus heutiger Sicht, wo die Laudatio zum Pink Apple Award, den Sie 2020 erhalten haben, Sie als Regisseurin feierte, die Queerness zelebrierte, noch bevor es ein Wort dafür gab? Wie beschreiben Sie Ihre Rolle als Regisseurin in dieser Perspektive? War es Ihnen jemals ein Anliegen, zu einer solchen
Vorreiterfigur zu werden?

Ulrike Ottinger als Orlando und Tabea Blumenschein als Madame X in MADAME X (1977)
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Katastrophe. Was kommt nach dem Ende?

Einführungsvortrag von Denis Newiak zum Film World War Z (2013) im Rahmen der DFF-Ausstellung Katastrophe

Der Vortrag fand zur Finissage der Ausstellung am 22. Mai 2022 statt. Einen Auszug des Vortrags können Sie hier lesen, den kompletten Vortrag gibt es auch als Video auf YouTube.

Mein Name ist Denis Newiak, ich bin Film- und Fernsehwissenschaftler aus Potsdam und forsche zu Katastrophenszenarien in Kino und Fernsehserien. Dabei interessiert mich, ganz allgemein formuliert, insbesondere die Frage, was uns diese desaströsen filmischen Kunstwerke über den Zustand unserer Gegenwartsgesellschaft verraten können: Warum entstehen heute so viele von diesen wütenden und anarchischen, oft pessimistischen und verstörenden Werken? Woher kommt die große Lust an der filmischen Katastrophe – und was können wir durch sie über die krisengeplagte soziale Realität lernen?

Denis Newiak im DFF – Deutsches Filminstitut und Filmmuseum Frankfurt
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