Der Blog des Schüren Verlags über Kino, Medien, Filme und was sonst so betrachtet werden kann

Kategorie: Allgemein (Seite 6 von 9)

Die Geister, die der Kapitalismus rief

1982 bringt Poltergeist den Spukhausfilm in die amerikanische Vorstadt

In seinem Text Das Unheimliche beschreibt Siegmund Freud die Grundlage jenes Grusels, der dem Spukhausfilm zugrunde liegt: Unheimliches entsteht, wenn die beiden Bedeutungen vom «heimlich», also das Heimelige und das Verborgene, ineinander fallen. Immer wieder wird das Eigenheim ungemütlich, weil sich die nicht nur metaphorischen Geister der Vergangenheit bemerkbar machen. Dieses Genre hat eine lange Tradition in Literatur und Film, von Henry James‘ Novelle Turn of the Screw (1898) über Shirley Jacksons Roman Spuk in Hill House (1962) bis zu dessen erster Verfilmung Bis das Blut gefriert (1963). Was viele Vertreter des Spukhausfilms vor Poltergeist auszeichnet, ist ihre Gothic-Anmutung: Fast immer sind es alte Landhäuser, verlassene Villen oder kleine Schlösser, Orte mit Tradition und abseits der modernen Stadt, an denen das geisterhafte Böse zuschlägt. Amityville Horror (1979) brachte das Grauen um üble Geister, die Menschen zum Mord an der eigenen Familie treiben, zwar schon in das Städtchen Amityville im Bundesstaat New York, wirkt aber so traditionell bis altbacken, dass er sich nicht nur drei Jahre, sondern merklich älter als Poltergeist anfühlt.

POLTERGEIST (USA 1982), © MGM / 20th Century Fox
Weiterlesen

Die Abenteuer der Scherenschnittkünstlerin Lotte

Ein Gastbeitrag des 35 mm Magazins zur Filmpionierin Lotte Reiniger

Noch immer hält sich die Mär, die Filmgeschichte bis 1965 sei immer männlich gewesen. Dabei war gerade die Frühzeit des Kinos noch sehr weiblich. Mit Regisseurinnen wie Alice Guy-Blaché oder Dorothy Arzner. Heute sind deren Leistungen fast vergessen (weshalb wir in unserer Ausgabe #22 an diese Filmpionierinnen erinnert haben). Teilweise liegt es auch daran, dass manche Männer die Errungenschaften der Damen einfach für sich reklamierten, oder ihnen von der Filmhistorie diese zugeschrieben wurden. Ein prominenter Fall ist Lotte Reiniger. Obwohl sie es war, die mit DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED (1926) den ersten abendfüllenden Animationsfilm erschuf, denken viele, diese Pioniertat wäre von Walt Disney mit SCHNEEWITTCHEN UND DIE SIEBEN ZWERGE (Snow White and the Seven Dwarfs – 1937) begangen worden. Dabei entstand Disneys Film erst elf Jahre später.

DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED (Reiniger 1926)
Weiterlesen

»Ein Walzer muss es sein…«

Wolfgang Thiel zur Entstehungsgeschichte des Bandes Walzerfilme und Filmwalzer

Bei meinen musikalischen Film-Recherchen, die sich mittlerweile über fast fünf Jahrzehnte erstrecken, fiel mir im Laufe der Zeit zunehmend auf, dass in erstaunlich vielen Spielfilmen der gesungene, getanzte, geschunkelte, von einem einsamen Akkordeon oder großen Orchester vorgetragene Walzer eine wichtige dramaturgische Rolle spielt. Erstaunlich ist zudem, dass es sich hierbei sowohl um alte und neue, heitere und ernste, als auch spannende, dramatische und sogar düster-tragische Filmproduktionen rund um den Globus handelt. Dass Walzerklänge in Filmen wie Zwei Herzen im Dreivierteltakt oder An der schönen blauen Donau zu finden sind, liegt auf der Hand. Auch die zahlreichen Biopics über die ›Walzer-Sträuße‹, die jahrzehntelang beliebten Operetten-Verfilmungen sowie diverse Reise-, Liebes- und Lustspielfilme mit Stadtansichten von Wien und Paris kommen ohne einen Walzer als akustisches Lokalkolorit nicht aus.

Wenn aber Johann Strauß´ weltweit bekannter ›Donau-Walzer‹ beim Flug zu einer Raumstation wie in Stanley Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum und in der Maiwiesen-Sequenz aus Volker Schlöndorffs Literaturverfilmung Die Blechtrommel an herausgehobener Stelle erklingt oder der englische Komponist R.R. Bennett im Krimi Mord im Orientexpress die fahrende Lokomotive mit einem brillanten Orchesterwalzer ›zum Tanzen‹ bringt, wird die Sache interessant.

Eine klassische Walzerszene aus SISSI, DIE JUNGE KAISERIN (1956), © Kinowelt
Weiterlesen

Das Internationale Frauen Film Fest Dortmund + Köln 2022

Die 39. Ausgabe des IFFF zeigte erneut ein vielfältiges Programm

Vom 29. März bis zum 3. April 2022 fand das diesjährige IFFF (Internationale Frauen Film Fest) in Köln statt. Rund 100 Filme aus 35 Ländern wurden in verschiedenen Kinos in Köln gezeigt, 60 Filmemacher*innen waren vor Ort und präsentierten ihre Filme vor Publikum. Das Filmfestival mündete in einer feierlichen Preisverleihung. Eine Auswahl der Filme ist noch bis zum 10. April 2022 hier im Stream verfügbar.

Tsitsi Dangarembga und Ula Stöckl verliehen den Debüt-Spielfilmpreis im Kölner Filmforum
Weiterlesen

Alice in Illness – «Kranke» Frauen im Film

Claudia Siefen-Leitich analysiert in ihrem neuesten Buch Alice in Illness das Bild der kranken Frau im Film. Wie es dazu kam, erzählt sie hier

Ich habe ein Notizbuch. Die letzten fünf Jahre fanden dort nach jedem meiner Kinobesuche Bewegungen, Szenen, Schnitte, Kameraschwenks, Schauspielkniffe und auch Geräusche ihren Eintrag. In diesem Buch finden sich im Laufe der Zeiten Unterordnungen, unter anderem etwa »das Anheben einer Schürze«. Daraus konnte ich 2012 meinen Experimentalfilm Hab’ so lang auf dich gewartet machen. Das Anheben der Schürze versprach Spannung, Irritation und eine Vielfalt an Gründen, warum und vor allem wie eine Schürze von der jeweiligen Schauspielerin angehoben wurde. Was geschah davor? Was geschah danach?

Die Schauspielkunst, wenn es um die Darstellung von Krankheit ging, rückte für mich die Stärke der jeweiligen Figur im Film in den Mittelpunkt. Ein Film ist ein Film, am Set geht es oft rasant zu, was genau wird gedreht, um die Figur im Zustand des Unwohlseins zu zeigen? Meine Jahre im Schneideraum für Dokumentarfilme, Werbefilme und auch TV-Serien wollten den Bildschnitt nicht Außer-Acht lassen. Gesammelt habe ich weiterhin solche Szenen.

Bette Davis in DARK VICTORY (1939) von Edmund Goulding
Weiterlesen

The Last Picture Show – Ein zeitloser Klassiker

Der Regisseur Peter Bogdanovich ist am 6.1.22 im Alter von 82 Jahren verstorben. Zu diesem Anlass erinnern wir heute an den Film, der ihn berühmt machte: The Last Picture Show

Die Story ist so schlicht wie wirkungsvoll: Es geht um die beiden Jugendlichen Sonny Crawford (Timothy Bottoms) und Duane Jackson (Jeff Bridges), die dickste Freunde sind, bis, ja, die örtliche Schönheit Jacy Farrow (Cybill Shepherd) ihnen beiden den Kopf verdreht, und dem armen Lester Marlow (Randy Quaid) gleich noch dazu.

Timothy Bottoms, Jeff Bridges und Cybill Shepherd
Weiterlesen

Das lange Erbe des PATEN

1972 revolutionierte Francis Ford Coppola den Gangsterfilm – mit bis heute weitreichenden Folgen für Hollywood und die Popkultur

Wie krempelt man ein altbackenes Hollywood-Genre um, läutet eine neue Ära von Schauspielern und Filmemachern ein, beeinflusst Fernsehserien, Rap-Videos und echte Mafiosi für Jahrzehnte und kriegt ganz nebenbei noch alle Oscars? Eigentlich ganz einfach: Man nehme einen reißerischen Groschenroman, einen 31-jährigen Jungregisseur, einen Kameramann, der nur schwarze Bilder liefert, einen Hauptdarsteller ohne Filmerfahrung und ein Filmstudio, das den eigenen Film an jeder Ecke zu sabotieren versucht. Der Pate hat eine der kuriosesten Entstehungsgeschichten der Filmhistorie – und ein ebenso kurioses Vermächtnis.

Marlon Brando (r.) und Salvatore Corsitto in DER PATE (USA 1972), © Paramount
Weiterlesen

Paranoia: Eine Liebesgeschichte

1962 macht John Frankenheimers Politthriller The Manchurian Candidate – Botschafter der Angst die Paranoia im Kino salonfähig

Was, wenn das größte Schlachtfeld des Kalten Krieges nicht in der Ferne lag, sondern daheim? Was, wenn die erste Welt den Kampf um ideologische Vorherrschaft nicht mit der roten Gefahr austrug, sondern dem einzigen Gegner, den sie wirklich fürchtete: sich selbst.

Laurence Harvey in BOTSCHAFTER DER ANGST (USA 1962), © OFDb Filmworks
Weiterlesen

Was Sie schon immer über Kino wissen wollten…

Kurioses aus der Welt des Films

Ungezählte Filme wurden in der mittlerweile fast 120-jährigen Filmgeschichte gedreht. Die «Internet Movie Database» listet weit über zwei Millionen Kino-, Fernseh- und Videoproduktionen; darunter über 300.000 Kinostreifen (mehr als 275.000 Spiel- und über 40.000 Dokumentarfilmproduktionen). Die Jahresbände des «Lexikon des internationeln Films» nehmen inzwischen zwei Regalmeter ein

Diese Fülle bietet viel Material für ernsthafte Betrachtungen. Stefan Volk hat allerdings ein Kompendium der besonderen Art verfasst: eine lockere Sammlung wissenswerter, kurioser und unterhaltsamer Fakten, Zahlen, Anekdoten und sonstiger Trouvaillen aus dem Bereich Kino und Film. Sinniges und Unsinniges taucht darin gleichermaßen auf, und man kann sich darüber streiten, was genau jetzt wozu gehört. Wir geben hier nur eine kleine Auswahl wieder.

Aus welchem Film bin ich und was sage ich? Die bekanntesten Zitate der Kinogeschichte (Zeichnung: Bo Soremsky)
Weiterlesen

Hit it!

1991 löst Thelma und Louise als erstes feministisches Road Movie eine Kontroverse aus. Das liegt auch an der Verbindung von Gender und Genre

Thelma (Geena Davis) und Louise (Susan Sarandon) finden sich nach einer wilden Flucht durch die USA in einer ausweglosen Situation wieder: Hinter ihnen ein Heer bis an die Zähne bewaffneter Cops, über ihnen kreist brüllend ein Helikopter. Nichts als Lärm, Staub, Sand und kein Weg zurück. Vor ihnen klafft der Abgrund des Grand Canyon. Beide schauen einander ein letztes Mal an und Louise tritt das Gaspedal ihres Ford Thunderbird durch, bis beide Hand in Hand über die Klippen in den blauen Himmel rasen und der Film in einer Weißblende endet.

Vor dem Sprung: Geena Davis und Susan Sarandon in Thelma und Louise (1991) ©MGM
Weiterlesen
« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 FILMgeBlätter

Theme von Anders NorénHoch ↑