Der Blog des Schüren Verlags über Kino, Medien, Filme und was sonst so betrachtet werden kann

Kategorie: Filmwissen (Seite 1 von 6)

Der Angst ins Gesicht lachen

Funktioniert Witz in Schweizer Genrefilmen?

Locarno Film Festival, 2012: Es ist der 10. August, ein sommerlicher Abend auf der Piazza Grande bei gefühlten 25 Grad. Genau die richtige Temperatur also, um sich eine Horrorkomödie anzuschauen. Noch dazu eine ‹made in Switzerland› und als Premiere vor dem grössten Freiluftkino-Publikum in Europa – das hat Seltenheitscharakter. Regisseur Michael Steiner wird mit seinem neuesten Werk Das Missen Massaker (CH 2012) diese Ehre zuteil, was das Interesse sowie die Erwartungen an den Film schon seit seiner Bekanntgabe schürt.

Kein Wunder, sind die zum Wippen ungeeigneten, gelbschwarzen Plastikstühle im Herzen der Altstadt schnell bis in die letzten Reihen gut besetzt. Sie sind aber auch genauso schnell wieder leer. Schon nach zwanzig Minuten ergreifen die ersten der insgesamt 8000 Zuschauer_innen die Flucht. Einige kopfschüttelnd, andere pfeifend oder ‹buh› rufend. Zwar gibt es auch immer wieder Lacher aus einzelnen Ecken, doch die Cineasten-Flucht hält an, und auch der Schlussapplaus fällt – nicht nur des geschrumpften Publikums wegen – ziemlich verhalten aus.

Das Missen Massaker (2012), © filmcoopi
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Denis Villeneuve: Ins Auge, in den Bauch, ins Gehirn

Ein Werkportrait des kanadischen Filmemachers Denis Villeneuve und seines Brückenschlags zwischen Arthouse- und Mainstreamkino

Spätestens seit seinen Science-Fiction-Erfolgen Arrival und Blade Runner 2049 ist der Kanadier Denis Villeneuve zu einer eigenen Marke im aktuellen Blockbusterkino geworden; ähnlich wie Ridley Scott oder Christopher Nolan ist er ein «auteur» im Mainstream. Sein Epos Dune ließ beim Filmfestival Venedig 2021 den Lido beben und startete am 16.9.22 in den deutschen Kinos. Anlass für ein Werkporträt.

DUNE (USA 2021), © Warner Bros.
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Jodie Foster zum Geburtstag

Schauspielerin, Produzentin, Regisseurin
* 19. November 1962

Die einzigartige Karriere der hochbegabten Alicia Christian Foster begann im Alter von drei Jahren, als sie in Werbespots erschien. Den Kosenamen Jodie bekam sie von ihren drei älteren Geschwistern und er wurde zu ihrem Markennamen. Die alleinerziehende Mutter Evelyn Foster arbeitete für den Produzenten Arthur P. Jacobs und ermöglichte ihren Kindern eine Karriere in diesem Business. Das Management für Jodie und ihren Bruder Lucius Buddy Foster war nach wenigen Jahren die Hauptaufgabe der Mutter. Ab dem sechsten Lebensjahr arbeitete Jodie als TV-Kinderstar für die Disney-Studios und trat in Serien wie Bonanza, The Addams Family, Kung Fu und Love Story auf. Mit Flucht in die Wildnis (1972) debütierte sie auf der Kinoleinwand. Bei den Dreharbeiten wurde sie von dem jungen Löwen verletzt und trug bleibende Narben davon. In Alice lebt hier nicht mehr (1974) arbeitete sie erstmals mit Martin Scorsese, der sich dabei von ihrem Talent überzeugen konnte und sie 1976 in Taxi Driver für die Rolle der minderjährigen Prostituierten besetzte. Die grandiose Darstellung der damals 14-Jährigen wurde mit einer Oscar-Nominierung honoriert.

Jodie Foster und Anthony Hopkins in ‹Das Schweigen der Lämmer›
Jodie Foster (r.) und Anthony Hopkins in Das Schweigen der Lämmer (USA 1990).
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Körperwelten

Basic Instinct zieht 1992 eine Welle von Erotikthrillern nach sich

Den kommerziellen Wert der Blöße hat die US-Filmindustrie nie verkannt. Wenn eine Komödie wegen derber Sprache sowieso nur für Erwachsene freigegeben würde, was lag näher, als wie in Ich glaub‘, ich steh‘ im Wald (Fast Times at Ridgemont High, 1982, siehe Blogbeitrag) zugleich mit einer Oben-Ohne-Szene zu erfreuen? Auch wurden 9½ Wochen (9½ Weeks, 1986, mit Kim Basinger und Mickey Rourke) oder Wilde Orchidee (Wild Orchid, 1989, mit Rourke und Jaqueline Bisset) als große Erotiksensationen verkauft. Im Vergleich zu Europa, wo sowohl im Kunst- wie im Kommerzkino das, was die Amerikaner «full frontal nudity» nennen, damals zum guten Ton gehörte, war das natürlich völlig harmlos. So war es an dem »Holländer Paul Verhoeven, der nach USA gezogen ist, als seine Filme in Europa nicht mehr gefördert wurden« (um die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften aus deren Indizierungsbeschluss zu RoboCop, 1987, zu zitieren), mit Basic Instinct (März 1992) und Showgirls (September 1995) sowohl am Anfang wie am Ende des großen, wenngleich kurzen Sexrausches von Hollywood zu stehen.

Sharon Stone in BASIC INSTINCT (USA 1992), © StudioCanal
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Edgar Reitz zum Geburtstag

Regisseur *1.11.1932

Als Filmliebhaber stößt man in internationalen Kritikerlisten oft auf einen Regisseur namens Edgar Reitz, dessen Werk Heimat (1984) zwischen den besten Filmen aller Zeiten auftaucht. Wer ist dieser Mann, der zwei der einschaltstärksten Straßenfeger der deutschen Fernsehgeschichte drehte, dafür in Venedig und England Filmpreise erhielt, ganz nebenbei die deutsche Gesellschaft nachhaltig prägte – und warum hat eine ganze Generation junger Filmliebhaber noch nie von ihm gehört?

Edgar Reitz und sein langjähriger Kameramann Gernot Noll
Edgar Reitz (r.) und sein langjähriger Kameramann Gernot Noll: Dreharbeiten zu Die andere Heimat (2013), © Concorde
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Frauen im spanischen Fernsehen

Ein Auszug aus Manuel Palacios kleiner (Sozial-) Geschichte des spanischen Fernsehens

Was für ein Fernsehen wurde im Spanien der Krise produziert? Es erübrigt sich, daran zu erinnern, wie stark das Land von der wirtschaftlichen Rezession zwischen 2008 und 2013 betroffen war. Zwischenzeitlich sah es sogar so aus, als würde die EU in die nationalen Belange eingreifen. Allerdings hat diese Frage Spanien, wo man vor allem um die Neutralität und die Beeinflussung der Nachrichtensendungen besorgt war, kaum Interesse hervorgerufen.

Weg von der Krise ins kalte Berlin: BUSCANDO EL NORTE (2016), © Aparte producciones, Antena 3, Divisa Home Video
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Idris Elba zum Geburtstag

Schauspieler *6.9.1972

«Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm». Mit diesem Satz beginnt Stephen Kings Roman Schwarz von 1982. Es ist der Auftakt einer achtbändigen Reihe, die lange als unverfilmbar galt. Mäßig begeistert waren Fans wie Filmkritik, als Regisseur Nikolaj Arcels den Zyklus um den dunklen Turm 2017 auf einen einzigen Actionfilm zusammendampfte. Mit Ausnahme der Besetzung des Titelhelden. Millionen Leser*innen hatten sich bis dahin diesen Revolvermann vor ihrem inneren Auge als wortkargen Cowboy irgendwo zwischen John Wayne und Henry Fonda, vor allem aber als weißen Mann ausgemalt.

Idris Elba (r.) mit Ruth Wilson in der Serie Luther (GB 2013), © Polyband

Was ein Beleg für die eurozentristische Perspektive der Lesenden und einen Mangel an Diversität in allen Medien ist, spricht für Idris Elbas schauspielerische Qualitäten. Schon in seiner ersten Szene als Revolvermann sprengt er diese Vorstellung und etabliert sich als perfekte Besetzung für diesen zwischen Idealismus und Desillusionierung zerrissenen Antihelden.

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Eine Welt ist nicht genug

Werner Herzog und seine Grenzen überschreitenden Bilderwelten

Eine Welt ist nicht genug – für Werner Herzog, den herausragenden deutschen Filmkünstler, der den deutschen Nachkriegsfilm seit 1968 mit fast 60 Filmen – u.a. Aguirre der Zorn Gottes und Fitzcarraldo – geprägt hat. Dennoch ist Werner Herzog in Deutschland nicht annähernd so präsent wie etwa Wim Wenders oder Volker Schlöndorff. Im folgenden zitieren wir aus dem Buch von Josef Schnelle aus dem Kapitel der komplizierten Beziehung zu Klaus Kinski.

Die Zärtlichkeit unter Wölfen: Herzog und Kinski bei COBRA VERDE (Bild: StudioCanal)
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Michelle Yeoh zum Geburtstag

Schauspielerin *6. August 1962

Es ist wohl kaum übertrieben, Michelle Yeoh als absolute Powerfrau zu bezeichnen. Allerdings als Powerfrau, für die nicht alle bereit waren, weswegen die erste Hälfte ihrer Karriere auch die deutlich ergiebigere ist. Die zierliche, zerbrechlich wirkende Yeoh, heute vor allem aus Serien wie Star Trek: Discovery (ab 2017), Strike Back (2015) oder Cameo-Auftritten in Hollywood-Blockbustern wie Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017) bekannt, bewies schon früh, dass Frauen genauso tough sind wie Männer. Schon lange bevor in den USA an Frauen in Actionrollen zu denken war, tobte die 1,63 große Mimin grazil über die Leinwand, teilte mit atemberaubender Akrobatik aus und brachte traditionelle Geschlechterrollen ins Wanken.

Michelle Yeoh in Tiger & Dragon (TW/HK/USA/CHN 2000), © Arthaus
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Joel Silver zum Geburtstag

Produzent *14. Juli 1952

Schon als Kind in seiner Geburtsstadt South Orange in New Jersey studiert Joel Silver die Credits der Filme, die er sieht, merkt sich die Namen auf der Leinwand und weiß: Das will ich später auch mal machen. Ein Filmstudium an der New Yorker Uni Tisch School of the Arts bricht er ab und geht lieber direkt ins Filmmekka Los Angeles, wo er bei der Firma Lawrence Gordon Production als Assistent anheuert. Der Chef und Namensgeber der Firma wird schnell zu Silvers Freund und Mentor, auch wenn der Jüngere sich zwischenzeitlich bei anderen Firmen versucht, aber immer wieder zu Gordon zurückkehrt. 1979 gibt Silver sein erfolgreiches Produktionsdebüt The Warriors, direkt im Anschluss lernt er die andere Seite des Geschäfts kennen: Unter seiner Aufsicht klettert das Budget des späteren Musicalflops Xanadu (1980) von vier auf 13 Millionen Dollar, ein erboster Studiochef feuert den jungen Co-Produzenten, ehe Gordon ihn zu dem Projekt zurückbringt.

Joel Silver (Mitte) mit Ryan Gosling (l.) und Shane Black (r.) am Set von The Nice Guys (USA 2016), © Concorde
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