Der Blog des Schüren Verlags über Kino, Medien, Filme und was sonst so betrachtet werden kann

Monat: März 2020

Erinnerung an Robby Müller

4. 4. 1940 – 3. 7. 2018

Es ist so einfach, ein schönes Bild zu machen“, sagte Robby Müller einmal in einem Interview und fügte hinzu: „Viel schwieriger ist es, ein Bild zu machen, das nicht komponiert ist.“ Diese Sätze könnte man als künstlerisches Credo über das einzigartige Œuvre des niederländischen Kameramanns setzen. Müller ist seit vier Jahrzehnten ein herausragender Vertreter seiner Zunft, in Europa genauso hochgeschätzt wie in Nordamerika. Als er im Jahr 2003 mit dem Marburger Kamerapreis ausgezeichnet wurde, hob der Beirat in seiner Begründung zwei Eigenschaften heraus, die Müllers Arbeitsmodus auszeichnen: „Die Neugierde auf das, was jenseits der Professionalität des Berufes in der Sprache des Kinos zu entdecken ist, und das Vertrauen in die gemeinsam getragene Arbeit an einem Film als ideeler Kraft für die Utopie eines Einzelnen, eines Regisseurs.“

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Heimat – eine deutsche Chronik

Edgar Reitz’ Meisterwerk in digitaler Qualität neu zu sehen

Als die 11-teilige Serie Heimat – Eine deutsche Chronik 1984 erstmals im Fernsehen gezeigt wurde, wurde sie sofort als unerhörtes Fernsehereignis wahrgenommen und gehört heute zu den Meilensteinen deutscher Filmgeschichte. Viele Menschen erinnern sich, dass sie gebannt vor dem Fernseher saßen, weil es so etwas im deutschen Fernsehen noch nicht zu sehen gegeben hatte. Der Spiegel fasste damals dieses Empfinden in Worte: «Was der Heimat-Unternehmung von Edgar Reitz ihre ganz eigene Kraft gibt, ist die persönliche Nähe: die Leidenschaft und Unbedingtheit, mit der Reitz sich in das eigene Eckchen Heimat verbissen hat. Gerade weil er nur auf seinen Hunsrück geschaut und keinen Moment auf Wirkung in der größeren Welt geschielt hat, ist sein Schabbach beispielhaft geraten, wirklich Mitte der Welt geworden, und die mächtige Zustimmung, die sein Werk nun von Folge zu Folge findet, macht es zu einem Stückchen deutscher Fernsehgeschichte.» (Nr. 40, 1984)

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Deutsche Träume vom Norden

Darstellungen Skandinaviens in Literatur und Film der Gegenwart

Wenn man sich in der deutschen medialen Öffentlichkeit umschaut, fällt deutlich die starke Präsenz von Skandinavienbildern in Film und Fernsehen sowie in Literatur und Presse auf. Hierzulande erfreuten sich nicht nur die inzwischen international beliebten Skandinavien-Krimis früher Beliebtheit, Nordic Noir-Serien und andere skandinavische TV-Produktionen entstehen zudem heute häufig mit deutscher Beteiligung. Darüber hinaus lässt sich das auffallend große Interesse an den nordischen Ländern an der Vielzahl der Skandinaviendarstellungen aus deutscher Perspektive ablesen.

Im Rahmen dieser Gruppe der Heteroimages vom Norden stechen im Bereich des deutschen Unterhaltungsfernsehens besonders zwei Fernsehreihen hervor: Inga Lindström und Liebe am Fjord spielen an pittoresken schwedischen und norwegischen Schauplätzen, wo sich allerlei Liebeshandlungen, Verwirrungen und Intrigen mit garantiertem Happy End entspinnen. Wie nicht nur diese Serien beweisen, verbinden die deutschen Zuschauer – anders als etwa das britische Publikum – Skandinavien nicht ausschließlich mit Vorstellungen brutaler Kriminalfälle oder Visionen einer gewalttätigen, von Wikingern beherrschten Vorzeit. Vielmehr stützen sich deutsche Imaginationen des europäischen Nordens bevorzugt einerseits auf idyllisch-nostalgische Visionen vertrauter Kindheitsparadiese – schließlich entstanden auch die Pippi-Langstrumpf-Verfilmungen einst als deutsche Koproduktionen. Zum anderen erscheint Skandinavien mit seiner weitläufigen Natur trotz des kühlen Klimas als perfekte Reise- und Urlaubsregion, wie sie schon vor fast hundert Jahren Kurt Tucholskys mehrfach verfilmter Bestseller Schloss Gripsholm in leicht humoristischer Brechung präsentierte und wie sie in realiter und ganz ironiefrei nicht zuletzt von Kaiser Wilhelm II. geschätzt wurde.

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Schlaf(modus). Pause | Verarbeitung | Smartphone | Mensch

Warum beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe (77) der Zeitschrift AUGENBLICK mit Schlaf und Smartphone?

Wie es zu unserem Heft Schlaf(modus) kam? Welch‘ bemerkenswerte Frage. Wird man doch normalerweise im Wissenschaftskontext entweder nach der Quintessenz seiner Gedanken bzw. der Publikation oder gleich nach dem neuen Projekt gefragt. Was steht als nächstes an? Was hast du in der pipeline? So oder ähnlich klingen die üblichen Fragen auf Fachtagungen, auf den Unifluren oder in der Mensa. Hier nun also eine Rückschau, ein Innehalten, ein Schritt zurück. – Pause!

„Im Anfang war das Wort“ (Joh 1, 1–3), heißt es im Johannisevangelium; einer Art ‚Neuauflage‘ der Schöpfungsgeschichte aus der hebräischen Bibel. Das Wort, das Gespräch und der Austausch standen auch bei meinen beiden Mitherausgeberinnen Ulrike Allouche und Solveig Ottmann mit mir am Anfang – wie immer, wenn etwas Gemeinsames und nicht Solitäres entstehen soll. Während ich darüber nachdachte, ‚etwas‘ zu digital detox schreiben zu wollen, kehrten die Ambitionen der beiden anderen immer wieder zum Thema Schlaf zurück. Die eine müde von der Arbeit, die andere müde aufgrund von Arbeit und schlaflosen Nächten – vielleicht auch beide müde vom ständigen Medienkonsum. Zunehmend kristallisierte sich heraus, dass doch beide Themen miteinander kombinierbar sein müssten. Ist die Sehnsucht von digital detox nicht auch die Ruhe, das Nicht-Senden und Nicht-Empfangen, der Schlaf? Im Frühjahr 2018 reifte die Idee, ein transdisziplinäres Symposium zum Thema Schlaf und Smartphone auf die Beine stellen zu wollen. Unterschiedlichste Disziplinen – Mediziner, Psychologen, Informations- wie Medien- und Kulturwissenschaftler – sollten in diesem Kontext zusammenfinden und überlegen, was das Smartphone mit unserem Schlaf ‚macht‘. Im Januar 2019 dann die Realisierung an der Universität Regensburg, ein Jahr später die Publikation. Schneller kann ein Wissenstransfer von der Idee bis zum fertigen Buch kaum von Statten gehen – Verarbeitung!

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