Der Blog des Schüren Verlags über Kino, Medien, Filme und was sonst so betrachtet werden kann

Kategorie: Allgemein (Seite 1 von 3)

Jennifer Lawrence zum Geburtstag

* 15. August 1990

One for them, one for me. Der Balanceakt zwischen den rentablen, dafür vergessenswerten Megablockbustern auf der einen Seite und den sperrigen, prestigeträchtigen Stoffen, die das Nischenpublikum der Cineasten und mit etwas Glück auch die Academy beglücken, auf der anderen, ist ein Kunststück, das nur den wenigsten gelingt. Umso erstaunlicher ist die mühelos scheinende Eleganz mit der Jungdiva Jennifer Lawrence seit ihrem Durchbruch in Debra Graniks 2010er Backwood-Familiendrama Winter‘s Bone zwischen den Welten hehrer Kunst und Box-Office-Erfolgen zu wandeln versteht.

Egal wie reibungslos die Methode Lawrence dabei auch zu laufen scheint, stehen am Anfang wie so oft das Glück und das richtige Händchen bei der Rollenwahl. So war alles andere als sicher, dass sich Suzanne Collins‘ Young-Adult-Saga um die Tribute von Panem, ein aus Versatzstücken aus William Goldings „Herr der Fliegen“, Kōshun Takamis „Battle Royale“ und einem breiten Sortiment an Dystopie-Klischees zusammengerührter Kessel Buntes, zu einem derartigen Hit in Buch- und Filmform entwickeln würde. Mit dem Kassenerfolg kamen der Aufwind und das Selbstvertrauen, riskantere Wege einzuschlagen.

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Iris Berben zum 70sten am 12. August 2020

Die große Sieben naht. Die Laudatien sind verfasst, der rote Teppich zum Ausrollen bereit und die Kerzen sind abgezählt. Iris Berben feiert runden Geburtstag und jeder will gratulieren. Wozu genau? Zu ihrem Engagement für Frieden, AIDS-Hilfe und Sozialdemokratie, dafür aber gegen Rassismus und Antisemitismus, zur langjährigen Präsidentschaft der deutschen Filmakademie oder schlicht zur Erziehung ihres Sohnes, Produzenten-As Oliver? Egal, alles toll! Wenn man schon Stars hat, die über Jahrzehnte im Geschäft bleiben, ein gewisses handwerkliches Niveau nicht unterschreiten und es schaffen, in Würde zu altern, ehrt man sie hierzulande wie Nationalheiligtümer. Dass ausgerechnet die Filmographie Berbens, ein vielleicht nicht zu unterschätzender Aspekt einer Schauspielkarriere, so wenige Gründe zum Gratulieren gibt, verleiht den anstehenden Festlichkeiten dennoch einen leicht säuerlichen Beigeschmack.

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Das Leben ist kein Drehbuch

Filmemachen ohne Geld von Malte Wirtz

Wir brauchen einen neuen deutschen Film!

Mein Cutter schickte mir das Buch Rebel without a Crew von Robert Rodriguez. Ich kannte seinen Weg und so animierte mich sein Buch meine Geschichte, die sich einige Jahre später abspielte, aufzuschreiben. Für eine neue Generation von Filmemachern.

Auf dem Lichter Filmfest 2018 gab es zahlreiche Denkanstöße für die Zukunft des deutschen Films, die das alte System der letzten Filmemacher-Generation (Fassbinder, Schlöndorff, Kluge, etc.), das sie Anfang der 60er initiiert hatte, umwandeln könnten. Die derzeitige Produktionsweise wird mittlerweile von vielen meiner Generation in Frage gestellt.

Wahrscheinlich muss jede neue Generation die Wege der vorherigen hinterfragen und häufig auch verwerfen, um einen eigenen Weg gehen zu können.

Man darf nicht vergessen, dass grandiose Produzenten wie z.B. Arthur Brauner sehr unter der Umstellung in den 60/70ern Jahren gelitten haben. Brauner drehte in Berlin Filme mit internationalen Stars und brachte große Namen aus Hollywood nach Deutschland. Doch auf einmal war “Papas Kino tot!”

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Clint Eastwood *31. Mai 1930

Clint Eastwood hatte bereits Cowboy-Erfahrung vor der Kamera, vor allem als Rowdy Yates in der Serie Rawhide, doch erst mit seiner endgültigen Durchbruchrolle in Für eine Handvoll Dollar (1964) drückte er diesem Typus seinen Stempel auf. Denn da Sergio Leones Werk den Italowestern aus der Taufe hob und dieser wiederum den amerikanischen Spätwestern beeinflusste, wurde auch der Protagonist, der von Eastwood verkörperte Mann ohne Name, zum Archetyp. Schon in dieser Rolle des wortkargen, knallharten Einzelgängers steckt viel von seinem Starimage, aber auch seinem Schauspielstil. Eastwood ist einer der großen Minimalisten des Kinos, bei dem eine einzelne Gesichtszuckung manchmal mehr Aussagekraft hat als ganze Monologe anderer Kollegen.

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Mythen stehen unserem Glück entgegen

Mathias Kopetzki erzählt, warum und für wen er sein Buch „ÜBERLEBEN IM DARSTELLERDSCHUNGEL – Wegweiser für freischaffende SchauspielerInnen“ geschrieben hat
Mathias Kopetzki bei der Buchvorstellung

Die Sehnsucht nach diesem Buch entstand schon vor vielen Jahren. Damals war ich mir aber noch nicht bewusst, dass ich selber es initiieren und schreiben würde. Ich wusste nur, sowas müsste es einfach geben.

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Emma Watson zum Dreißigsten

* 15. April 1990

Kelly und Ryan sind sicher sehr nette Menschen, sie moderieren seit vielen Jahren die US-Talkshow „Live mit Kelly und Ryan“. Aber man schlackert schon gewaltig mit den Ohren, wie bemüht sie bei einer Sendung im Jahr 2001 sind, mit einem Kind auf kleinkindliche Weise zu sprechen, sodass phasenweise die intellektuelle Augenhöhe nicht mehr gewährleistet scheint – für die Moderatoren. Die 11-jährige Interviewpartnerin lässt nie einen Zweifel daran, dass sie sehr intelligent und auch verbal schlagfertig ist, besonders in einem Moment des Interviews: Ryan möchte wissen, ob andere Kinder in ihrer Schule nicht neidisch auf sie seien, weil sie die Rolle der Hermine Granger in dem Blockbuster-Film Harry Potter und der Stein der Weisen (2001) bekommen hat. Dafür macht er Kinderstimmen nach und fragt: „Warum du? Warum du, Emma?“ Die junge Emma lächelt das weg und sagt ganz schlicht, nett und ehrlich belustigt: „Because I’m worth it!“ Genau dieses freundliche, aber bestimmte Selbstbewusstsein hatte auch die Casting-Agenten beeindruckt, die 1999 in England auf der Suche nach einer Hermine waren – und Emma Watson fanden.

Viele Jahre Harry-Potter-Wahnsinn hatten damit gerade erst begonnen. Am Ende sollten acht Filme stehen, die mit einem Gesamteinspielergebnis von beinahe acht Milliarden Dollar eine der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten bilden, nur ganz knapp hinter Star Wars. Hinter diesem Erfolg verbarg sich endlos viel Arbeit und aufgegebenes Leben für die jungen Schauspieler, besonders die Hauptdarsteller Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint, die als Kinder begannen, während den Dreharbeiten Teenager wurden und schließlich zu jungen Erwachsenen reiften. Man stelle sich einfach Boyhood (2014) als Mini-Serie im Jahresrhythmus in Fantasy vor.

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Erinnerung an Robby Müller

4. 4. 1940 – 3. 7. 2018

Es ist so einfach, ein schönes Bild zu machen“, sagte Robby Müller einmal in einem Interview und fügte hinzu: „Viel schwieriger ist es, ein Bild zu machen, das nicht komponiert ist.“ Diese Sätze könnte man als künstlerisches Credo über das einzigartige Œuvre des niederländischen Kameramanns setzen. Müller ist seit vier Jahrzehnten ein herausragender Vertreter seiner Zunft, in Europa genauso hochgeschätzt wie in Nordamerika. Als er im Jahr 2003 mit dem Marburger Kamerapreis ausgezeichnet wurde, hob der Beirat in seiner Begründung zwei Eigenschaften heraus, die Müllers Arbeitsmodus auszeichnen: „Die Neugierde auf das, was jenseits der Professionalität des Berufes in der Sprache des Kinos zu entdecken ist, und das Vertrauen in die gemeinsam getragene Arbeit an einem Film als ideeler Kraft für die Utopie eines Einzelnen, eines Regisseurs.“

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Schlaf(modus). Pause | Verarbeitung | Smartphone | Mensch

Warum beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe (77) der Zeitschrift AUGENBLICK mit Schlaf und Smartphone?

Wie es zu unserem Heft Schlaf(modus) kam? Welch‘ bemerkenswerte Frage. Wird man doch normalerweise im Wissenschaftskontext entweder nach der Quintessenz seiner Gedanken bzw. der Publikation oder gleich nach dem neuen Projekt gefragt. Was steht als nächstes an? Was hast du in der pipeline? So oder ähnlich klingen die üblichen Fragen auf Fachtagungen, auf den Unifluren oder in der Mensa. Hier nun also eine Rückschau, ein Innehalten, ein Schritt zurück. – Pause!

„Im Anfang war das Wort“ (Joh 1, 1–3), heißt es im Johannisevangelium; einer Art ‚Neuauflage‘ der Schöpfungsgeschichte aus der hebräischen Bibel. Das Wort, das Gespräch und der Austausch standen auch bei meinen beiden Mitherausgeberinnen Ulrike Allouche und Solveig Ottmann mit mir am Anfang – wie immer, wenn etwas Gemeinsames und nicht Solitäres entstehen soll. Während ich darüber nachdachte, ‚etwas‘ zu digital detox schreiben zu wollen, kehrten die Ambitionen der beiden anderen immer wieder zum Thema Schlaf zurück. Die eine müde von der Arbeit, die andere müde aufgrund von Arbeit und schlaflosen Nächten – vielleicht auch beide müde vom ständigen Medienkonsum. Zunehmend kristallisierte sich heraus, dass doch beide Themen miteinander kombinierbar sein müssten. Ist die Sehnsucht von digital detox nicht auch die Ruhe, das Nicht-Senden und Nicht-Empfangen, der Schlaf? Im Frühjahr 2018 reifte die Idee, ein transdisziplinäres Symposium zum Thema Schlaf und Smartphone auf die Beine stellen zu wollen. Unterschiedlichste Disziplinen – Mediziner, Psychologen, Informations- wie Medien- und Kulturwissenschaftler – sollten in diesem Kontext zusammenfinden und überlegen, was das Smartphone mit unserem Schlaf ‚macht‘. Im Januar 2019 dann die Realisierung an der Universität Regensburg, ein Jahr später die Publikation. Schneller kann ein Wissenstransfer von der Idee bis zum fertigen Buch kaum von Statten gehen – Verarbeitung!

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CINEMA, Chicago, Skandal

Heinrich Weingartner über das neue CINEMA #65: Skandal

Ich bin noch nicht lange in der CINEMA-Redaktion. Auf die Themenwahl des «CINEMA Jahrbuch 65» hatte ich so gut wie keinen Einfluss. Ein Skandal. Wieso ich trotzdem darum gebeten wurde, einen Blogbeitrag zu verfassen? Weil ich, zusammen mit meinem Kollegen David Grob, das Buch produziert habe. Aus Chicago. Also, ich aus Chicago, David aus Zürich. Das hat trotz geographischer Dislozierung tipptopp funktioniert, wie Sie sehen können. Natürlich wollten wir mit dieser räumlichen Aufteilung keinen Guinness-Rekord erzielen. Ich habe von August bis November letzten Jahres in Chicago einen Atelieraufenthalt absolviert und diese schöne Aufgabe mit ins Gepäck genommen. Die Tätigkeit bei der CINEMA-Redaktion basiert auf Ehrenamt und mein Atelieraufenthalt wurde von der öffentlichen Hand bezahlt. Deshalb konnte ich mich guten Gewissens der auswärtigen Selbstausbeutung hingeben. Drei Erkenntnisse:

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Eine Art Flaschenpost

Bernd Stiegler erzählt, wie das AugenBlick-Heft über Christian Petzold entstanden ist.

Manchmal ist es eine Flaschenpost, die am Anfang eines Projekts steht. Christian Petzold hatte ich Mitte der 2000er-Jahre bei der Eröffnung der Berliner Dependance des Suhrkamp Verlags, für den ich seinerzeit als Wissenschaftslektor arbeitete, in der Fasanenstraße getroffen. Wir hatten uns auf Anhieb gut verstanden, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt mit seinen Filmen alles andere als vertraut war. Er sah es mir in seiner besonderen generösen Art nach. Nach dem Abend kam es zum rituellen Gabentausch: Ich schickte ihm eine kleine Sendung mit eigenen Büchern und er im Gegenzug eine DVD von Die innere Sicherheit mit einem kleinen Begleitbrief: „Lieber Bernd, hab Dank für die Bücher. Ich bin gerade vor den Dreharbeiten, da muss man ein wenig blöd sein, ‚dump‘. Blöd filmt gut, sagen die Kameraassistenten, die mit Pferdeschwanz und Überwintern in Thailand. Ende Juni, Anfang Juli, da sind wir fertig, dann kann wieder gelesen werden, aber so sprechen die Kameraassistenten auch: ‚Das gute Buch‘ oder ‚Jetzt eine heiße Badewanne, Grog etc…‘. Also, ich werde lesen, den ganzen Sommer lang, hoffe, daß wir uns bald wiedersehen, liebe Grüße, Christian“.

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