Mit Ghostbusters und Gremlins wird die Horrorkomödie 1984 zum Kino-Phänomen
Tiefe Furcht und befreiendes Lachen lagen schon immer nahe beieinander. Bereits in der Gothic-Fiction-Literatur des 18. Jahrhunderts wurde in Romanen wie «Northanger Abbey» von Jane Austen oder «The Heroine» von Eaton Stannard Barrett Horror mit Humor angereichert und so war es kein Wunder, dass bereits früh in der Filmgeschichte so genannte Horrorkomödien produziert wurden (zum Beispiel: The Ghost Breaker, 1914 + 1922; Haunted Spooks, 1920; One Exciting Night, 1922; The Bat, 1926).

Bereits in diesen frühen Jahren machten sich aber auch Unschärfen in Hinblick auf die Definition des Genres bemerkbar. Das Wort «Horrorkomödie» impliziert natürlich, dass beide Anteile, Horror und Komödie, in einem gleichmäßigen Verhältnis zu aneinander stehen, was aber vor allem in Beispielen früherer Jahrzehnte oft nicht der Fall ist.
Weswegen man es in vielen Fällen eigentlich eher mit Komödien zu tun hat, die mit Horrorelementen versetzt wurden (und sich oft über eben diese lustig machen). Oder mit Horrorfilmen, in denen sich vereinzelt humorvolle Komponente finden. Diese Unschärfen machen sich bei Beschreibungen des Genres in Nachschlagewerken oder bei Listen auf Webseiten bemerkbar: Über so einige der aufgeführten Titel lässt sich diskutieren.

Abbott und Costello treffen Frankenstein (1948) kann in Hinblick auf die Balance jedenfalls als frühes Beispiel für eine gelungene Verschmelzung beider Genres herangezogen werden, allerdings konnten die beiden legendären Komiker mit nachfolgenden Produktionen wie Abbott und Costello treffen Dr. Jekyll und Mr. Hyde (1953) nicht mehr daran anknüpfen.
Der Weg zum Massenphänomen Horrorkomödie
Doch im Folgenden sollen definitorische Feinheiten zu Gunsten einer filmhistorischen Betrachtung aus der Vogelperspektive ausgeblendet werden, und da steht eins fest: Abbott und Costello treffen Frankenstein und ähnliche Stoffe wie Tanz der Vampire (1967) waren an der Kinokasse zwar sehr erfolgreich, aber die Kombination Horror und Humor wurde erst in den 1980er-Jahren zum Massenphänomen. Genauer gesagt im Jahr 1984 und den Startschuss gaben zwei Hollywood-Produktionen, die am gleichen Tag – am achten Juni – äußerst erfolgreich ins Rennen um die Gunst der Kinogänger gingen: Ghostbusters von Ivan Reitman und Gremlins von Joe Dante.

Die Jahre davor wurden von – zum Teil sehr harten – Horrorfilmen dominiert. 1973 landete William Friedkin mit Der Exorzist einen Skandalerfolg. 1974 sorgte die Independent-Produktion The Texas Chainsaw Massacre für Aufsehen. 1976 toppte Richard Donner mit Das Omen Friedkins Reißer mit deftigen Effekten und einem Unhappy End. 1978 veröffentlichte George Romero sein Zombiefilm-Meisterwerk Dawn of the Dead, im gleichen Jahr sorgte John Carpenter mit Halloween – Die Nacht des Grauens für eine Lawine an Slasher-Filmen, die bis ungefähr Ende der 1980er-Jahren über die Kinoleinwände rollte und 1981 ließ Sam Raimi erstmals die Teufel tanzen (Tanz der Teufel, 1981).
Letzterer Film wird zwar im Rückblick gerne in die humorige Ecke gestellt, hat da aber im Grunde nicht wirklich was verloren, sorgte beim Erscheinen nicht für Gelächter, sondern für eine Kontroverse und zahlreiche Probleme mit dem Jugendschutz. Nicht zu vergessen natürlich: Eine Flut von ultraharten Splatterfilmen aus Italien, die vor allem Ende der 1970er / Anfang der 1980er die Kinoleinwände in tiefstes Rot tränkten und den Ruf der Videotheken verschlechterten.
Hintergründe und Produktionswege
Es ist in diesem Kontext wenig verwunderlich, dass Ghostbusters und Gremlins anfangs deutlich düsterer werden sollten. Ghostbusters dreht sich um die drei erfolglosen Parapsychologen Dr. Peter Venkman (Bill Murray), Dr. Raymond «Ray» Stantz (Dan Aykroyd) und Dr. Egon Spengler (Harold Ramis), die von ihrer Universität rausgeschmissen werden, allerdings kurz davor einen Durchbruch hinsichtlich der Suche und Bekämpfung von Geistern erzielt hatten. Das erworbene Wissen versuchen sie nun in der Privatwirtschaft in bare Münze umzuwandeln und gründen eine private Geisterjäger-Agentur.
Das Geschäft läuft erst schleppend, aber nach und nach wird die Stadt von paranormalen Phänomenen heimgesucht – bald darauf steht das Trio, das mit Winston Zeddermore (Ernie Hudson) zum Quartett erweitert wird, vor seiner größten Aufgabe: Gozer, der Vernichter, ein antiker Gott, will auf die Erden zurückkehren.

Ghostbusters geht auf ein mittlerweile verschollenes Drehbuch namens «Ghost Smashers» von Hauptdarsteller Dan Aykroyd zurück, das sowohl das Konzept als den berühmtem «Marshmallow Man», der in einer nahezu legendären Szenen durch New York stampft, einführte, sich ansonsten aber signifikant vom späteren Film unterschied, in der (damaligen) Zukunft 2012 spielte und einen deutlich düsteren, gruseligeren Tonfall anschlug.
Dass das Projekt in komödiantischere Gefilde abbog, hatte finanzielle Gründe: Regisseur Ivan Reitman fand Aykroyds Skript zwar ansprechend, aber zu teuer. Aus diesem Grund kam Harold Ramis an Bord, der als Regisseur und Autor mit Komödien wie Caddyshack – Wahnsinn ohne Handicap (1980) oder Ich glaub’, mich knutscht ein Elch (1981) bereits große Erfolge vorweisen konnte und das Skript – mit Unterstützung von Reitman – kräftig überarbeitete.
Die neue Fassung bekam grünes Licht, allerdings glaubte die Produktionsfirma Columbia nicht hundertprozentig an das Projekt, da Ghostbusters für einen komödiantischen Stoff nach wie vor recht teuer war (das Budget trug zwischen 25 und 30 Millionen Dollar). Die Zusage war mit der Bedingung verknüpft, dass der Film noch im Sommer des Jahres 1984 starten sollte. So blieben den Machern gerade mal drei Monate, obwohl man kein finales Drehbuch und kein Effektstudio hatte und kein Starttermin festgelegt war. Das Unterfangen wurde dennoch höchst erfolgreich zu Ende geführt: Mit einem Einspiel von 295,2 Millionen Dollar gilt Ghostbusters als einer der größten Hits der 1980er-Jahre.
Gruselige Gremlins
Mindestens genauso amüsant, aber eine kleine Spur anarchistischer, derber kam Gremlins daher. Joe Dantes Film handelt von Randall Peltzer, einem Erfinder skurriler Alltagsgeräte, die allerdings so gut wie nie richtig funktionieren. Auf einer Geschäftsreise erwirbt Peltzer in einem Laden in Chinatown den Mogwai Gizmo, ein kleines, süßes Tier – das allerdings wenig süßen Ärger mit sich bringt, wenn man drei Regeln nicht beachtet: Gizmo darf nicht mit Sonnenlicht in Berührung kommen, darf nicht nass werden und nach Mitternacht nicht fressen.
Pelzer schenkt den Mogwai seinen Sohn Billy zu Weihnachten und natürlich geschieht bald darauf das erste Missgeschick: Gizmo wird nass und aus seinem Fell platzen Fellkugeln, aus denen neue Mogwais werden – die sind allerdings weitaus weniger umgänglich als Billys putziger Spielgefährte, der nicht nur Billys, sondern genauso das Herz der Zuschauer bereits nach wenigen Minuten Laufzeit erobert…




…was ein Grund für Produzent Steven Spielberg war, das Skript des zu diesem Zeitpunkt erst 22-jährigen Chris Columbus (der in den folgenden Jahren als Regisseur Hits wie Kevin – Allein zu Haus (1990), oder Harry Potter und der Stein der Weisen (2001) verbuchen konnte) zu entschärfen.
Denn in der Version des jungen Autoren sollte Gizmo, unumstrittenes Herz des Films, zu Stripe, dem Anführer der bösartigen Mogwais mutieren. Weiterhin wollte Columbus, dass Billys Mutter im Kampf gegen die kleinen Monster stirbt, Billys Hund von ihnen gefressen wird und Stripe und seine Bande in einer McDonalds-Filiale statt Burger Kunden essen.
Das alles fiel weg, Gremlins wurde aber dennoch immerhin so wild, dass die amerikanische Freigabestelle MPAA (entspricht in etwa der deutschen FSK) nach Beschwerden aufgebrachter Eltern ihre ursprüngliche Freigabe PG («Parental Guidance», bei diesen Filmen wird eine elterliche Aufsicht für Kleinkinder empfohlen) überdachte (wenige Monate zuvor gab es ähnliche Beanstandungen bei Spielbergs Indiana Jones und der Tempel des Todes) und einige Zeit später dann zusätzlich ein PG-13 (Warnung für Eltern, dass einige Inhalte nicht für Kinder unter 13 Jahren geeignet sein könnten) einführte. Die kleine Kontroverse um den Film tat dem Erfolg aber keinen Abbruch: Bei einem Budget von 11 Millionen Dollar wurden 212,9 Millionen eingespielt.
Ab in den Mainstream
Ghostbusters und Gremlins sorgten – mit kräftiger Unterstützung von aus Comics, Spielzeug, Video- und Brett- wie Gesellschaftsspielen, Romanen, Kleidung, Musik und anderem bestehendem Merchandising – dafür, dass die Kombination von Horror und Humor endgültig heute nicht mehr wegzudenkender Mainstream wurde.


Der Erfolg der Geisterjäger und der kleinen Monster öffnete in den nächsten Jahren nicht nur Tür und Tor für weitere erfolgreiche und, was die Darstellung von Gewalt angeht, sehr unterschiedliche Horrorkomödien wie Fright Night – Die rabenschwarze Nacht (1985), Verdammt, die Zombies kommen (1985), Beetlejuice (1988), Addams Family (1991), Braindead (1992), From Dusk Till Dawn (1996), Shaun of the Dead (2004) oder Zombieland (2009), sondern war zudem dafür verantwortlich, dass zuvor ernste Horror-Filmserien wie Freitag, der 13. (1980-2009) oder Nightmare on Elm Street (1984-2010) allmählich fröhlicher wurden.
Bemerkenswerterweise gingen zudem recht rasch nach dem Start der beiden Hollywood-Filme auch Kinderfernsehserien wie Der kleine Vampir (1986-1987) und Frankensteins Tante (1987) in Produktion – somit konnte nun wirklich jede Zielgruppe viel Spaß mit Horror haben.
Thorsten Hanisch
Dieser Beitrag stammt aus dem Filmkalender 2024. Auch der Kalender für 2027 enthält Portraits von Filmschaffenden und spannende Textbeiträge.


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