»Im Deutschen habe ich einen englischen Akzent – aber in der Musik habe ich einen deutschen Akzent!« Der in Frankfurt a.M. geborene Komponist und Produzent hat den Großteil seines Lebens in Hollywood gelebt; trotzdem sei die Perspektive, aus der er komponiere, immer die eines Europäers, der als Ausländer auf Amerika blickt. Im Lauf seiner Karriere hat Hans Zimmer Musik zu weit über 150 Filmen geschrieben. Gerne erzählt der erklärte Technikliebhaber, dass er außer zwei Wochen Klavierunterricht im Grundschulalter keinerlei musikalische Ausbildung erhalten habe und keine Noten lesen könne: Seine Kompositionen entstehen am Rechner, unter Rückgriff auf ein eigens befülltes Samplearchiv. Unermüdliches Ausprobieren und Kollaborieren waren seine Schule – angetrieben von einer großen Liebe zur Musik und dem kompromisslosen Verfolgen seines Traums: »Ich habe alles auf diese Karte gesetzt: Ich werde Musiker. Es war schlimm am Anfang, die ganzen Klischees: Kein Geld, kein Erfolg, jeder hat gehasst, was ich gemacht habe.«
Hans Zimmer bei Vorbereitungen für Interstellar Live (2015)Weiterlesen
In den Achtzigern gab es in Hollywood die Filmschul-Generation um Steven Spielberg und George Lucas. Sie drehten Blockbuster für die ganze Familie, Hochglanz-Popcornkino mit großen
Bildern und ikonischen Helden. In den Neunzigern eroberte eine neue Spezies den Regiestuhl: krummgewachsene Nerds wie Tarantino, Gilliam, Fincher, Soderbergh oder die Coens. Diese neuen „Indie-Filmemacher“ hatten
schiefe Frisuren, schiefe Gesichter und drehten extra-schiefe Filme. Sie waren von der globalen Trivialkultur geprägt, von Fernsehen, Videotheken, Werbeclips, Musikvideos und Trashfilmen – und ihre Helden waren
groteske Außenseiter und wirre Freaks. Und ihre Galionsfigur war Tim Burton.
Moritz wird 50, Digga. Vom Uhlenbusch bis Hollywood und kein bisschen leise. Okay, wirklich überrascht hat seine Berufswahl Niemanden. Als Spross einer Künstler- und Schauspielerfamilie lagen die schönen Künste nahe, doch ist der Stil, den er in seiner Profession an den Tag legt, einzigartig. «Kiez-Method-Acting», «Kleinbürgerliches Powerspiel», «Hanseatischer Realismus»? Die Nachwelt wird eine Bezeichnung für die Methode Bleibtreu finden müssen.
Charlotte Gainsbourg wird 1971 direkt ins Rampenlicht hineingeboren: Zwei Jahre zuvor hatten ihre Mutter, die britische Schauspielerin Jane Birkin, und ihr Vater Serge Gainsbourg mit «Je t’aime … moi non plus» ein ebenso erfolgreiches wie skandalöses Chanson veröffentlicht. Auch die Tochter packt die Lust an der Provokation früh. 1984 nimmt sie mit ihrem Vater den Song «Lemon Incest» auf. Im Video rekelt sie sich dazu mit dem halbnackten Serge auf dem Bett, beide besingen melancholisch die Liebe, die sie nie werden lieben dürfen. Mit sichtlicher Freude am Eklat produziert die inzwischen 15-Jährige 1986 mit ihrem Vater ihr erstes Album «Charlotte For Ever» nebst gleichnamigem Film, der erneut ein inzestuöses Verhältnis zwischen Vater und Tochter thematisiert. Die Frage nach einem autobiografischen Bezug verneint sie bis heute vehement.
«Dieser Junge wollte kein Schauspieler werden», scherzte Stellan Skarsgård kürzlich beim Anblick seines Filmdebüts als rebellischer 16-Jähriger in der schwedischen «Tom Sawyer»-Variante Bombi Bitt und ich (1968). «Der wollte Diplomat werden.»
Zur politischen Karriere hat es nicht ganz gereicht, und doch wurde Skarsgård schon früh eine Art Botschafter des skandinavischen Films. Mit gerade mal 31 Jahren gewann er für seine Darstellung in Der einfältige Mörder (1982) den Preis als Bester Darsteller auf der Berlinale. Danach durfte er in Schweden alles spielen: Romantische Helden, verzweifelte Bauern und sogar die schwedische James-Bond-Version, den Superagenten Carl Hamilton. Mit Filmen wie Sven Nykvists Der Ochse (1991) oder Erik Skjoldbjærgs Insomnia – Todesschlaf (1997) war er zudem Stammgast in Cannes und bei den Oscars, sodass bald andere internationale Filmemacher und schließlich auch Hollywood auf seine erstaunliche Bandbreite aufmerksam wurden. Wobei Skarsgård mit anderen europäischen Darstellern das Schicksal teilt, alle denkbaren Nationalitäten zu spielen: Einen tschechischen Ingenieur in Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (1988), einen ostdeutschen Geheimagenten in Ronin (1998) oder einen russischen U-Boot-Kapitän in Jagd auf Roter Oktober (1990). Skarsgård wurde zu einem «character actor» in reinster Form – er kann alles spielen, und meist spielt er sehr viel auf einmal. Denn er ist ein Meister der Ambivalenz: Nicht selten kippen seine Figuren von sympathisch zu grauenhaft, von arrogant zu tragisch, von verdächtig zu liebenswert – und manche bleiben rätselhaft bis zuletzt. Kein Wunder, dass er sieben Filme mit Lars von Trier drehte: Manche Regisseure lieben es, den Tonfall und die Sympathie des Publikums langsam kippen zu lassen. Und kaum ein Darsteller kann seinen Charme und seine Wärme so plötzlich ein- und abschalten wie Stellan Skarsgård.
Eine Fassade als solche präsentieren: Statuenhaft ist das Gesicht, das Natalie Portman zu Beginn von Pablo Larraíns Jackie (2016) der nahezu mythischen Figur der Präsidentengattin leiht. Portman erscheint in diesem Film, der das komplexe Bild einer Frau aus mehreren Identitäten zusammenwebt, als die ideale Besetzung. Die Schauspielerin versteht es, jeder Facette einer Figur – im Falle Jackies die der Ikone, der betrübten oder loyalen Ehefrau, der kühl berechnenden und bewegten Nachlassverwalterin – mit der gleichen Glaubwürdigkeit auszustatten. So entsteht aus heterogenen Rollen langsam eine vielschichtige Person. Brüche werden nachvollziehbar, glatte Oberflächen verdächtig, Unstetes authentisch.
Das sympathische Multitalent Mark Robert Michael Wahlberg schoss geradezu die Karriereleiter hinauf. Seine bemerkenswerte Laufbahn begann 1991 mit Hilfe seines älteren Bruders Donnie, der Mitglied der Boygroup New Kids on the Block war. Donnie ermöglichte seinem kleinen Bruder ein eigenes Musikprojekt, Marky Mark and the Funky Bunch. Das Debütalbum der Gruppe, «Music for the People», wurde mit Platin ausgezeichnet und war der größte musikalische Erfolg der Hip-Hop-Formation. Seine freizügigen Bühnenauftritte brachten Mark eine Karriere als Unterwäschemodel bei Calvin Klein ein. 1993 produzierte er das Fitnessvideo «The Marky Mark Workout: Form … Focus … Fitness». Währenddessen arbeitete er mit Prince Ital Joe und dem Produzenten Alex Christensen (U-96) an weiteren Musikprojekten wie dem Album «Life in the Streets».
Der beste Schüler des Zaubermeisters. So könnte man Robert Lee Zemeckis nennen, dessen herausragendes Talent als Filmemacher schon früh von Steven Spielberg entdeckt wurde. In den frühen 1970ern freundete er sich am Campus der USC-Filmschule in Los Angeles mit Bob Gale an. Beide verband, dass sie mit ihren Kommilitonen – “a bunch of hippies”, wie Zemeckis sie später nannte – genauso wenig anfangen konnten wie mit der Nouvelle Vague oder anderem Kunstfilmkram. Er und Bob wollten Hollywood-Filme machen, voller Action, Fantasy und Sci-Fi und damit große Zuschauermassen begeistern. Mit einem seiner Studentenfilme stürmte Zemeckis direkt ins Büro des ebenfalls noch blutjungen Regie-Wunderkindes Steven Spielberg, der sofort begeistert war und als Executive Producer vieler seiner Filme fungieren sollte. Zemeckis erste Filme I Wanna Hold Your Hand (1978) und Used Cars (1980) wurden von der Kritik gelobt, verpassten aber das erwünschte große Publikum deutlich. Zemeckis und sein Partner Gale ließen sich davon nicht beeindrucken und schrieben weiter fleißig Drehbücher für andere Regisseure. Ein besonderes, lang verfolgtes Herzensprojekt konnte Zemeckis 1985 selbst inszenieren: Zurück in die Zukunft. Der detailreiche Zeitreise-Plot wird bis heute an Filmschulen als Musterbeispiel für ein herausragendes, fantasievolles und perfekt strukturiertes Drehbuch hergenommen. Und Zemeckis saß mit dem gewaltigen Erfolg des Films nun plötzlich ganz fest im Hollywood-Sattel.
Mel Gibsons Durchbruch zu einem der gefragtesten und bestbezahlten Stars Hollywoods erfolgte zweifellos durch seine Hauptrolle in einem kleinen australischen B-Picture-Movie, für den man dem Regiedebütanten George Miller eine vergleichsweise lächerliche Summe von 400 000 Dollar Produktionsetat zur Verfügung gestellt hatte. Dass dieser Film, MAD MAX (1979), sich nicht nur zu einem sensationellen finanziellen Erfolg mauserte, dessen weltweites Einspielergebnis heute auf um die 100 Millionen Dollar geschätzt wird, sondern auch zu einem rasanten Kultfilm und einem Prototypen für das anarchistische Endzeitkino der 80er Jahre, ist nicht zuletzt dem vielseitigen Talent Mel Gibsons zu verdanken. Geboren wurde Mel Columcille Gerard Gibson in den USA, doch siedelte ihn sein Vater bereits mit zwölf Jahren mit einem Teil der insgesamt 13köpfigen Familie nach Down Under um, weil er zurecht befürchtete, seine männlichen Nachkommen ansonsten der Vietnam-Invasion opfern zu müssen. Statt durch den asiatischen Dschungel zu robben, erwarb sich Gibson sein schauspielerisches Rüstzeug am National Institute of Dramatic Arts in Sydney. Auf drei weitere ’Lehrjahre’ mit reinen Brot-und-Butter-Jobs in mäßig erfolgreichen Kinoproduktionen, in TV-Shows und einigen Bühnenproduktionen, folgte 1979 der Durchbruch: Gleichzeitig zur weltweiten Aufmerksamkeit, die er mit MAD MAX auf sich zog, erhielt Gibson eine Auszeichnung vom Australian Film Institute als bester Schauspieler für seine Interpretation eines behinderten jungen Mannes in TIM (1979). Sein Debüt für Hollywood gab Gibson 1984 als Fletcher Christian in DIE BOUNTY an der Seite von Anthony Hopkins. Mit anspruchsvolleren Rollen wie der des Ed Biddle in MRS. SOFFEL (1984) versuchte er früh, sein Image als gut aussehender, aber grobschlächtiger Mime mit beschränkten darstellerischem Talent in Richtung Charakterdarsteller zu korrigieren – ein Weg, den er kontinuierlich weiterverfolgte bis hin zu HAMLET 1990. Nicht zuletzt mit dem Historienepos BRAVEHEART (1995) setzte er einen Meilenstein für seinen Weltruhm – Voraussetzung dafür, dass er mit THE PATRIOT im Jahr 2000 als erster Hollywoodstar die magische Grenze der 25 Millionen Dollar Gage überschritt. Seine parodistischen Qualitäten stellte der heute siebenfache Vater nicht zuletzt in den vier Sequels zu LETHAL WEAPON unter Beweis, die Produktion, die Gibsons Karriere wohl am stärksten geprägt haben dürfte. Die wohl größten Schlagzeilen und die nachhaltigste Präsenz in den Kulturteilen der Zeitungen rund um den Globus erzielte er jedoch jüngst durch seinen nach THE MAN WITHOUT A FACE (1993) und BRAVEHEART dritten Ausflug hinter die Kamera. Vor allem die Brutalität der Darstellung des Martyriums Christi in THE PASSION OF THE CHRIST (2004) spaltete Publikum und Kritik. Für ein neues, ähnlich ambitioniertes Regieprojekt des streng gläubigen Katholiken, einer Verfilmung des Lebens von Papst Johannes Paul II, soll bei der Beerdigung und den Trauerfeierlichkeiten laut Zeitungsberichten bereits ein Filmteam vor Ort gewesen sein.
Dieser Beitrag ist im Filmkalender 2006 erschienen. Auch in der aktuellen Ausgabe des Filmkalenders gibt es Porträts und spannende Beiträge
„Bevor ich ihn traf, stellte ich mir Hayao Miyazaki immer als Baum vor, nicht als Mensch“, sagte die Darstellerin Yumi Tamai einmal. Wer die Filme des japanischen Animationsmeisters gesehen hat, kann das vielleicht verstehen. Er ist einer der erfolgreichsten Filmemacher der Welt, aber eben auch ein überzeugter Aktivist, der in seinen Werken stets den rücksichtsvollen Umgang mit der Umwelt thematisiert. Miyazaki zieht sich regelmäßig in die uralten Wälder der Insel Yakushima zurück – die knorrigen, riesenhaften Bäume dieser Region dienten als Inspiration für viele seiner Filme.
Die zweite große Leidenschaft, die sich neben dem Naturschutz immer wieder in Miyazakis Filme einschleicht, ist die Luftfahrt. Kein Wunder, schließlich baute sein Vater Flugzeuge. Dabei sind es vor allem die europäischen Modelle, die den Animationskünstler von kleinauf begeistern, denn Miyazaki schwankt ständig zwischen der japanischen und der europäischen Kultur. Während er in Porco Rosso oder Das Schloß im Himmel in mediterranen Landschaften und mittelalterlichen Fachwerkhäusern schwelgte, breitete er in Chihiros Reise ins Zauberland und Prinzessin Mononoke mit archaischen Rachegöttern und freundlichen Fluß- und Waldgeistern ein ganzes Pandämonium japanischer Folklore vor dem staunenden Zuschauer aus. Genauso vielfältig mischt Miyazakis Zeichenstil auch klassische japanische Maltechniken mit europäischer Tiefenperspektive.
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