Ein Blick auf den zeitgenössischen brasilianischen Film
Als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2013 präsentierte sich Brasilien als «ein Land voller Stimmen». Doch neben literarischen Stimmen, erreichen uns aus Brasilien auch immer wieder Bilder in Form von (auch in Deutschland) vielbeachteten Kinofilmen.
Kino ist ein Ereignis. Heute wie vor hundert Jahren. In Afrika ebenso wie in Europa oder Asien. Wer an Kino denkt, dem fallen vermutlich als erstes opulente Säle mit roten Samtsesseln
ein. Doch wahres Kinoerlebnis ist viel mehr als das. So unterschiedlich die Filme und Genres, so unterschiedlich sind auch die Orte, die Kinomacher für ihre Vorführungen nutzen.
Kennen Sie einen deutschen Horrorfilm? Und zwar einen aus den letzten 10 Jahren? Wahrscheinlich nicht. Genrekino hat es schwer in Deutschland. Abseits der Komödie und dem Kriminalfilm
im Fernsehen scheint sich hier eine klaffende Lücke aufzutun, die umso größer wird, je fantastischer die Stoffe werden. Science-Fiction, Horror und Fantasy finden nur selten ihren Weg auf die große Leinwand,
scheitern oft schon früh an der Finanzierung und werden argwöhnisch von den Zuschauerinnen und Zuschauern beäugt.
Der Genrefilm fristet heute ein Nischendasein, ist Außenseiter in dem Land, das Klassiker des fantastischen Films wie Der Golem, wie er in die Welt kam, Nosferatu, eine Symphonie des Grauens oder Metropolis hervorgebracht hat.
Es ist bunt, schrill, laut, sentimental, lustig, traurig, mitreißend, erotisch und zugleich prüde und wird in den Studios der Megacity Mumbai gedreht. Dann wieder zeigt es sich
sensibel, subtil inszeniert, literarisch, gesellschaftskritisch und entstammt zum Beispiel der Arthouse-Filmszene in Kalkutta. Und als südindische Antwort auf die Hindi-Filme des Nordens kann es gelegentlich noch bunter,
noch schriller ausfallen, eine hybride Mischung zwischen Musical- und Martial-Arts-Film jenseits aller Kino-Konventionen und Genrekategorien: Das indische Kino ist so komplex und heterogen wie der Subkontinent selbst, seine
Menschen und ihre Lebensweisen.
Schon in einem seiner ersten Filme gelang Harun Farocki ein Bild, das sich – sprichwörtlich – unlöschbar ins Gedächtnis einbrannte. In UNLÖSCHBARES FEUER
(1969), einem der wichtigsten Agitprop-Filme der Anti-Vietnamkriegsbewegung drückte er auf seinem Arm eine brennende Zigarette aus. Mit diesem Akt der Selbstverletzung wollte er die ungleich verheerenderen Wirkungen von
Napalm deutlich machen. Doch schon in diesem frühen filmischen Gehversuch zeigte sich, dass es Farocki um mehr als Schock und vordergründige politische Mobilisierung ging: Das Dokument analysierte präzise die
Verstrickung von Industrie und Wissenschaft in die Ökonomie des Krieges. Ein Thema, das den Filmemacher bis heute in unterschiedlichen Ausformungen beschäftigt.
1914 erblickte Chaplins Tramp das Licht der Kinogeschichte
Der Moment wurde oft mystifiziert und romantisiert: Im Januar 1914, während der Dreharbeiten zu der zwanzigminütigen Farce Mabel Strange Predicament begab sich der unbedeutende,
aber ehrgeizige Nebendarsteller Charles Spencer Chaplin in den Kostümfundus der Keystone-Studios, um sich für die kommende Szene auszustaffieren.
Was dann geschah, wirkt in Chaplins Autobiografie und dem darauf basierenden Biopic von Richard Attenborough wie reine Magie: Da erwachen die Requisiten zum Leben – die viel zu
enge Anzugjacke mit den herausquellenden Hemden, die viel zu kurze Pluderhose mit den viel zu großen Schuhe, die staubige Melone, der biegsame Spazierstock und der berühmte Schnurrbart – und formen
sich wie von selbst zur berühmtesten Filmfigur aller Zeiten: dem Tramp. So gewappnet schreitet Chaplin zurück zum Set, erobert mit seinem liebenswertem Chaos erst die weibliche Hauptfigur, dann die Zuschauer –
und schließlich die Welt.
Seit 1914 werden Kriege auch mit der Kamera geführt
Wir leben in keiner friedlichen Welt. Wir sind gewohnt, dass uns die Nachrichten Bilder von Leid, Krieg und Zerstörung zeigen – wir sehen die Kriege in HD-Qualität durch
die Augen der Kamera. Dokumentationen, Spielfilme, Animationsfilme – sie alle versuchen Krieg und Elend in ihrer eigenen Realität darzustellen. Angefangen hat dieser Krieg der Bilder vor 100 Jahren, mit Beginn
des Ersten Weltkriegs.
Eine Person betritt die Szene eines Films oder die Theaterbühne – und schon haben wir uns ein Bild von ihr gemacht. Dazu trägt maßgeblich bei, wie die Person gekleidet ist. Kleider machen Leute, und diese Wirkung ist im Film oder auf dem Theater das Resultat der Arbeit der Kostümbildner und -bildnerinnen, ein Beruf, der oft im Schatten der anderen Tätigkeiten bei der Herstellung eines Filmwerks steht.
Riccarda Merten-Eicher arbeitet seit vielen Jahren in diesem Beruf und hat ein Buch geschrieben, in dem sie einen spannenden Einblick in die «Kostümsprache», von der ersten Inspiration, den Entwürfen über die finanzierbare Konzeption bis zur künstlerischen Umsetzung innerhalb des Filmwerks gibt.
Entwurf und fertiges Kostüm (Geliebte Clara, 2008)
Kostüme sind als eigenständiges filmisches Mittel in ein subtiles Spiel eingebunden, zielen mit ihrer Sprache auf eine spezifische Wahrnehmung und nicht nur darauf, schön zu sein.
FILMgeBlätter hat Riccarda Merten-Eicher nach den Besonderheiten ihres Berufs befragt.
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