Zum 60. Geburtstag des legendären Sergio Leone-Films: Eine Reise an einen magischen Drehort im Norden von Spanien.
Was die Anzahl der Drehorte angeht, so ist Zwei glorreiche Halunken der komplexeste Western Sergio Leones, denn nach dem umwerfenden Erfolg des Vorgängers war die United Artists in die Finanzierung des Films eingestiegen, so dass nun an ganz verschiedenen Orten Spaniens gedreht werden konnte. Und Leone wusste dies auf eindrucksvolle Weise zu nutzen. Die Provinz Almería, das Umland von Madrid und die Provinz Burgos lieferten Drehorte, die Leone nahtlos zu einem visuellen Ganzen verwob. Quentin Tarantino hält das Werk schlichtweg für «die größte Leistung in der Filmgeschichte».

Sad Hill: Der berühmteste Filmfriedhof der Welt
Allein mit dem Friedhof Sad Hill, auf dem das finale Triell inszeniert wurde, haben Carlo Simi und Sergio Leone Filmgeschichte geschrieben. Da der Friedhof nur für eine Produktion errichtet wurde, hatte er eigentlich von vornherein das Zeitliche gesegnet. Somit grenzt es geradezu an ein Wunder, dass er noch bzw. wieder existiert. Ein regionaler Kulturverein, die Asociación Cultural Sad Hill, hat ihn 2016 restauriert und aus Sad Hill eine wahre Kultstätte gemacht.



Das Triell am Friedhof (Zwei glorreiche Halunken, 2’45)
Aber nicht nur das: Unweit von dem Friedhof baute Leone sowohl das Gefangenenlager Betterville auf, in dem der Blonde (Clint Eastwood) und Tuco (Eli Wallach) kurze Zeit festsitzen, als auch die Szenerie für die Schlacht um die Brücke von Langstone und drehte dazu in der Nähe noch Innenaufnahmen der Mission, in der Tuco den Blonden nach dem Ausflug in die Wüste versorgt, so dass die Drehorte der Provinz Burgos die wichtigsten des Films geworden sind. Wie aber wurde Leone auf diese bis heute ziemlich abgelegene Gegend im Norden Spaniens aufmerksam?
Auf der Suche nach dem perfekten Drehort
Der Vorschlag geht auf den spanischen Produktionsleiter José Antonio Pérez Giner zurück. Als dieser erfuhr, dass Leone nicht nur nach einem Platz für den Friedhof, sondern auch nach einem Fluss suchte, an dem er die Schlacht um die Brücke drehen konnte, fiel ihm der heute vergessene Ritter-Film Die Kastilier ein, bei dem er als Unit Manager mitgewirkt hatte. Der Film über die Anfänge der spanischen Reconquista war komplett in der Provinz Burgos entstanden, einige Szenen davon am Fluss Arlanza, und das Finale – eine Schlacht zwischen Christen und Mauren – im malerischen Tal Mirandilla unter den markanten Felszacken der Peña de Carazo, nicht weit entfernt von der Stelle, an der Leone das Fort Betterville aufbauen sollte.


Lee van Cleef vor der Peña de Carazo, bei der das Gefangenenlager Betterville errichtet
worden war, und der Drehort heute
Angelockt von diesen günstigen Bedingungen kam das Produktionsteam im Sommer 1966 dorthin, um die Dreharbeiten vorzubereiten. Für den Bau des Friedhofs aber benötigte Leone eine Menge Arbeitskräfte, die zudem schnell verfügbar sein mussten. Hier half das spanische Militär aus. Man einigte sich mit der Leitung einer Kaserne in Burgos und erhielt junge Soldaten, die nicht nur den Friedhof, die Schützengräben am Fluss Arlanza und das Gefangenenlager aufbauten, sondern bei den Massenszenen auch als Statisten mitwirkten. Die Großproduktion hat das Gebiet in jenen Monaten regelrecht kolonisiert, bevor sie nach der letzten Klappe ebenso plötzlich wieder verschwand, wie sie gekommen war. Die Kulissen ließ man einfach stehen, und der Friedhof Sad Hill sowie Fort Betterville ragten jahrelang gespenstisch aus der Landschaft hervor, bis sich Anwohner nach und nach an dem Holz bedienten, um es zu verbauen oder als Brennmaterial zu nutzen, und die Natur ihr Übriges dazu tat, um alles wieder unter dem Grün des fruchtbaren Tals versinken zu lassen.

So geriet auch der Drehort in Vergessenheit, und selbst eingefleischte Filmfans gehen mitunter heute noch davon aus, dass diese Szenen in Almería gedreht wurden. Dann fand sich jedoch eine kleine Gruppe von Aktivisten der Region zusammen und nahm sich vor, den Friedhof zum 50. Jubiläum des Films wieder auferstehen zu lassen und gründete dazu die Asociación Cultural Sad Hill. Als man zu graben begann, stellte man fest, dass die Steine der Arena sich noch unter der Erde befanden. Bald wurde klar, dass der Aufwand die Arbeitskraft einer kleinen Gruppe überstieg und man rief über die sozialen Netzwerke zur freiwilligen Mitarbeit auf. Jetzt zeigte sich, dass der Wunsch, Sad Hill wieder auferstehen zu lassen, keineswegs der verschrobene Traum einiger weniger gewesen war, sondern viele Menschen bewegte. Unterstützung kam nicht nur aus Spanien, sondern auch aus Frankreich und Italien. Als die Arena freigelegt war, wurden Patenschaften für einzelne Gräber ausgeschrieben, um den Aufwand finanzieren zu können. Auch hier war die Resonanz überwältigend. Bald waren über tausend Kreuze aufgestellt und beschriftet, so dass es heute kaum noch möglich ist, eines davon zur Förderung zu erhalten.
Sad Hill – Ein magischer Ort
Dann näherte sich der große Moment der Eröffnungsfeier mit Filmprojektion am 24. Juli 2016, 50 Jahre nachdem an jenem Ort die Dreharbeiten stattgefunden hatten. Man stellte eine Silhouette des «Blonden» auf, und Videobotschaften von Ennio Morricone und Clint Eastwood begleiteten die Veranstaltung. Das Projekt erregte ein solches Interesse, dass der Dokumentarfilmer Guillermo de Oliveira den gesamten Prozess begleitet und in seinem preisgekrönten Dokumentarfilm Sad Hill unearthed von 2017 festgehalten hat.
Sad Hill sei ein magischer Ort, so heißt es immer wieder, wenn Personen über den Besuch des Filmfriedhofs sprechen. Kein anderes Beispiel zeigt so deutlich, dass Drehorte berühmter Filme moderne Pilgerstätten sind, in denen sich Traum und Wirklichkeit überlagern und die Besucher für einen Moment in eine Gegenwelt eintauchen können. Das Tal von Mirandilla bietet dazu ideale Bedingungen. Fernab von urbanen Zentren wird es bis heute als Weidefläche genutzt und hat sich seit den Dreharbeiten zu Zwei glorreiche Halunken kaum verändert. Der hohe und zugleich langgezogene Bergrücken der Peña de Carazo mit seinem kahlen Grat erhebt sich majestätisch über den Bäumen an seinen Hängen, und seine hellen Töne bilden einen harmonischen Kontrast zum Grün des Tals. Ihre besondere Note erhält die Farbpalette allerdings durch das rosafarbene Heidekraut, das einige der kahlen Hügel im Tal bedeckt und über das der «Blonde» am Ende des Films hinwegreitet.

Besuch beim Drehort
Beim Besuch von Sad Hill fällt zunächst auf, wie fruchtbar das Tal ist, das selbst im Hochsommer seine satte grüne Farbe nicht verliert, während es sich im Film durch Brauntöne auszeichnet. Dies liegt vor allem daran, dass die Gräber zur Zeit der Dreharbeiten aus frisch aufgeworfener Erde bestanden, während sie heute von Gras überwachsen sind.

Vom Parkplatz aus betritt man den Friedhof aus der Richtung, aus der Tuco im wörtlichen Sinne auf ihn stößt, als er mit dem Kopf an einen der Grabsteine schlägt (2’36). Die Asociación Cultural Sad Hill hat an dieser Stelle wieder einen Stein aufgestellt, zwar nicht exakt denjenigen aus dem Film, aber dennoch einen, der verwendet wurden. Der Friedhof lädt dazu ein, zwischen den zahllosen Holzkreuzen spazieren zu gehen, bevor man sein Zentrum betritt.
Die runde Anlage des monumentalen Drehorts ist ungewöhnlich für einen Friedhof und ist eigentlich eine Arena des Todes. Neben solchen symbolischen Bedeutungen der Form ist auch zu bedenken, dass sich der Kamera dadurch besonders viele Perspektiven bieten, zumal der Friedhof leicht abschüssig ist und der Kreis in der Mitte eine große Tiefenwirkung erhält, was gleich zu Anfang für eine grandiose weite Einstellung genutzt wurde, welche das ganze Ausmaß Sad Hills zeigt.

Bei einem Besuch der Arena lässt sich die Choreografie des Triells leicht nachvollziehen: Tuco steht mit dem Rücken zum heutigen Parkplatz, Sentenza vor der Peña de Carazo und der Blonde schräg gegenüber. Die Asociación Cultural Sad Hill hat am Rande der Arena auch die Gräber von Arch Stanton und des Unbekannten aufgebaut, sowie einen Baum aufgestellt, an dem der Blonde Tuco am Ende scheinbar hängen will. Der Blonde reitet dann in das Tal hinein und verschwindet hinter einem kleinen Hain, um kurz darauf umzukehren und das Seil durchzuschießen. Dann setzt er seinen Weg fort. Selbst der kleine Graben hinter dem Friedhof, über den er hinüber muss, ist heute noch vorhanden, auch wenn sich dessen Linie leicht verschoben hat. Wo die Kamera für die letzte Einstellung exakt postiert wurde, konnte noch nicht genau eruiert werden. Auf jeden Fall wurden die Bilder von einem erhöhten Standpunkt an den Hängen gegenüber von der Peña de Carazo aus gemacht.
Wenn Sad Hill seine magische Wirkung heute noch entfaltet, so liegt dies daran, dass er kein Ort des Massentourismus ist, und es wäre bedauerlich, sollte er dies jemals werden. Auch wenn er an den Wochenenden und im Sommer regelmäßig besucht wird, kommen die Gäste für gewöhnlich nach und nach, ohne sich dort anzustauen. Und wer den richtigen Moment erwischt, hat vielleicht das Glück, ganz allein dort zu sein und den Raum ungestört auf sich wirken zu lassen.
Anfahrtsbeschreibung
Sad Hill (Contreras, Burgos) ist nur mit dem Auto über zwei Strecken zu erreichen, deren letzte Kilometer aus Schotterstraßen bestehen. Man kann von Norden über das Dorf Contreras fahren und erreicht den Drehort nach rund drei Kilometern. Die Strecke ist ausgeschildert, eben und gut befahrbar; sie wurde auch von dem Filmteam benutzt. Wer hingegen aus südlicher Richtung kommt, fährt über Santo Domingo de Silos und hat von dort ca. 5 km zurückzulegen, die letzten vier davon auf einer Schotterstraße, die zum Teil steil ansteigt und einige Schlaglöcher aufweist. Wenn man diese etwas mühsame Anfahrt auf sich nimmt, wird man ca. 1 km vor dem Ziel mit einem herrlichen Ausblick auf das Tal und den Friedhof belohnt. Dort ist auch eine Info-Tafel angebracht. Das Auto kann kostenlos am Rande des Geländes geparkt werden. Aufgrund der Beliebtheit des Friedhofs als Ausflugsziel werden im Sommer teilweise täglich dort von einem Imbisswagen Erfrischungen angeboten, darunter auch ein «Sad Hill»-Bier.

Rundwanderweg
Vom Friedhof aus lässt sich ein Rundwanderweg (ca. 10 km) – die Ruta B.F.M. (nach dem spanischen Titel El Bueno, el Feo y el Malo) – machen, der vom Friedhof bis zum Gefangenenlager Betterville und zurück führt.
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