Vier Fragen an Experte Bent Evers

Die Filmbranche ist eine (Arbeits-)Welt für sich: unklare Ausbildungs- und Karrierewege, befristete Beschäftigungen, selten ein fester Arbeitsort, kaum öffentlich ausgeschriebene Jobs. Junge Filminteressierte finden es daher oft schwierig, einen Einstieg zu finden. Autor Bent Evers gibt hilfreiche Tipps.

Welche Berufsbilder gibt es beim Film?

Neben den Berufen wie Regie, Kamera und Produzent:in, an die man sofort denkt, gibt es eine enorm große Vielfalt beim Film. Diese Vielfalt ist eine der großen Stärken der Branche. Nehmen wir zum Beispiel die Aufnahmeleitung, die die gesamte Organisation der Dreharbeiten im Vorfeld und während des Drehs übernimmt. Eine sehr logistische Aufgabe, bei der aber auch kreative Problemlösungen gefragt sind. Allein die Aufnahmeleitung besteht wiederum aus mehreren Personen, die unterschiedliche Teilbereiche übernehmen. So kümmert sich die Motiv-Aufnahmeleitung bspw. ausschließlich um die Drehorte, während die Set-Aufnahmeleitung für das organisatorische Geschehen vor Ort am Drehtag verantwortlich ist. Auch die Regieassistenz hat eine viel zentralere Rolle, als man dem Namen nach denken könnten. Mit ihr steht und fällt der Ablauf des Drehtages, die Stimmung im Team und damit auch das Endergebnis. Neben solchen logistischen Tätigkeiten und den kreativen Positionen wie Drehbuch, Kostüm- oder Szenenbild, gibt es auch handwerkliche Berufe wie die Baubühne oder die Kamerabühne, wobei letztere auch einen Einfluss auf das Bild hat, das am Ende eingefangen wird. Die Filmbranche deckt insofern viele Stärken und Interessen ab.

Welche Wege gibt es, um in die Filmbranche einzusteigen?

Auch hier ist die Branche sehr vielfältig. Für einige Berufe gibt es Studiengänge an Filmhochschulen, vor allem für die sogenannten Head-of-Departments, also die Chefs der Gewerke. Das sind zum Beispiel Regie, Szenenbild und Drehbuch. Im Umkehrschluss heißt das jedoch nicht, dass man zwingend einen Abschluss braucht. Es gibt Regisseur:innen, die nicht an der Filmhochschule waren, sondern als Praktikanten beim Film angefangen und sich hochgearbeitet haben. Noch mehr gilt das für andere Positionen, sei es Regie- oder Kameraassistent:innen, Continuitys oder Aufnahmeleiter:innen. Beim Film gilt: Motivation und geleistete Arbeit zählen viel mehr als Zeugnisse und Abschlüsse. Die Branche ist allgemein sehr quereinsteigerfreundlich, auch wenn gewisse Berufe natürlich bestimmte Vorkenntnisse erfordern.

Wie hat sich die Filmbranche in den letzten Jahren verändert?

Es gab und gibt in den letzten Jahren einen spürbaren Wandel, der die Arbeitsbedingungen allgemein und Themen wie Work-Life-Balance und Sexismus am Arbeitsplatz im Speziellen stärker in den Fokus gerückt hat. Es findet ein intensiverer Austausch und Zusammenschluss unter den Filmschaffenden statt und auch die Produzent:innen und Produktionsfirmen erkennen, dass die Branche attraktiv für Nachwuchs bleiben muss. Es gibt teilweise Schichtsysteme in zeitlich besonders beanspruchten Gewerken wie der Maske. Auch die 4-Drehtage-Woche ist ein Konzept, das mehr und mehr ausprobiert wird. Am fünften Arbeitstag ist so entweder Zeit für Erholung oder die Vorbereitung der nächsten Tage. Da Filmschaffende oft pauschal oder pro Drehtag bezahlt werden, sinkt unter dem Strich so zwar das Monatseinkommen ein wenig, aber die Belastung wird niedriger.

Was kannst du jungen Personen mitgeben, die in die Filmbranche einsteigen wollen?

Macht ein Praktikum beim Film! Egal, ob als Set Runner, als Regie- oder als Requisitenpraktikant:in – geht auf crew-united.de und sucht nach Praktikumsstellen. Man bekommt dort nicht nur einen Einblick in die Filmwelt, sondern kann auch für sich viel besser einordnen, ob die Branche mit all ihren Besonderheiten wirklich interessant ist für einen. Ein weiterer Vorteil: Man lernt Leute kennen, die einen bestenfalls in Zukunft für ein weiteres Projekt anfragen. Ganz viel funktioniert über solches sogenanntes «Vitamin B». Es spielt auch fast keine Rolle, in welchem Gewerk man einsteigt: man kann als Set Runner gut einen Einblick in die Arbeit des Kostüms bekommen und dort Kontakte knüpfen oder als Requisitenpraktikant:in die Regieassistenz ausfragen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr über den Einstieg in die Filmbranche gibt es im Buch Irgendwas mit Film zu lesen…