FILMgeBlätter

Der Blog des Schüren Verlags über Kino, Medien, Filme und was sonst so betrachtet werden kann

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Joel Silver zum Geburtstag

Produzent *14. Juli 1952

Schon als Kind in seiner Geburtsstadt South Orange in New Jersey studiert Joel Silver die Credits der Filme, die er sieht, merkt sich die Namen auf der Leinwand und weiß: Das will ich später auch mal machen. Ein Filmstudium an der New Yorker Uni Tisch School of the Arts bricht er ab und geht lieber direkt ins Filmmekka Los Angeles, wo er bei der Firma Lawrence Gordon Production als Assistent anheuert. Der Chef und Namensgeber der Firma wird schnell zu Silvers Freund und Mentor, auch wenn der Jüngere sich zwischenzeitlich bei anderen Firmen versucht, aber immer wieder zu Gordon zurückkehrt. 1979 gibt Silver sein erfolgreiches Produktionsdebüt The Warriors, direkt im Anschluss lernt er die andere Seite des Geschäfts kennen: Unter seiner Aufsicht klettert das Budget des späteren Musicalflops Xanadu (1980) von vier auf 13 Millionen Dollar, ein erboster Studiochef feuert den jungen Co-Produzenten, ehe Gordon ihn zu dem Projekt zurückbringt.

Joel Silver (Mitte) mit Ryan Gosling (l.) und Shane Black (r.) am Set von The Nice Guys (USA 2016), © Concorde
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Harrison Ford zum Geburtstag

Schauspieler *13. Juli 1942

Die große Zeit der Hollywood-Superstars ist vorüber. Karrieren wie die von Harrison Ford wird es so schnell nicht wieder geben. Er verkörperte mit dem Abenteurer Indiana Jones eine der ikonischsten Action-Rollen aller Zeiten und mit Han Solo einen der charismatischsten Science-Fiction-Charaktere überhaupt. Obwohl er Ende der 1960er-Jahre in (New) Hollywood für seine Ausnahmekarriere zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, musste er lange auf seinen Durchbruch warten. Er bewarb sich u.a. für die Hauptrolle in Mike Nichols Die Reifeprüfung (1967), die schließlich an Dustin Hoffman ging und dessen Karriere begründete. Für Harrison Ford blieben nur Nebenrollen, etwa in American Graffiti (1973) oder Der Dialog (1974). Immerhin arbeitete er nun mit Regisseuren zusammen, die zu den aufregendsten Geschichtenerzählern der Zeit gehörten, insbesondere George Lucas. Seinen Lebensunterhalt musste er in dieser Zeit oft als Zimmermann und Gelegenheitsarbeiter verdienen.

Harrison Ford (r.) mit Lukas Haas in Der einzige Zeuge (USA 1985), © Paramount Pictures.
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Echtzeit im Spielfilm

Ein Auszug aus FilmZeit – Zeitdimensionen des Films über den Film Victoria (2015)

‹Echtzeit› klingt nach Authentizität, nach unverfälschter, unmittelbar direkter Darstellung und ‹live dabei sein›. Als Eigenzeit des Filmischen wird das Konzept der Echtzeit technisch zunächst mit einer Plansequenz in Verbindung gebracht. Plansequenzen laufen als lange Einstellungen in Echtzeit ab, um Kontinuität zu erzeugen und realistisch zu wirken.

Es gibt in vielen Filmen Echtzeit-Sequenzen. Seltener sind extrem lange Plansequenzen. Besonders rar sind Filme, die durchgängig in Echtzeit ablaufen. Manche von ihnen sind als Plansequenzen gedreht, wie Mike Figgis’ Timecode (USA 2000), Alexander Sokurovs Russian Ark (RUS u. a. 2002) und Sebastian Schippers Victoria (D 2015).

VICTORIA – Boxer wird zum Bankraub verpflichtet (D 2015)
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Sword and Sorcery

Aufstieg, Fall und Comeback des Fantasy-Films

Kaum ein anderes Genre hat in unserer digital technisierten Welt so viele Fans wie das Fantasy-Kino, das in einem imaginären Zeitalter mit Schwertern und Zauberern angesiedelt ist, wie etwa J. R. R. Tolkiens Der Herr der Ringe und J. K. Rowlings Harry Potter. George R. R. Martins Game of Thrones entwickelte sich zur meistdiskutierten Fantasy-TV-Serie der letzten Jahre. Sassan Niasseri widmet sich jenem Genre, das seit Beginn des neuen Jahrtausends Kino und Fernsehen dominiert wie kein anderes: Fantasy. Nach einer Blütezeit in den 1980er-Jahren ebbte die Welle ab, um vor 20 Jahren mit Macht zurück in die Kinos zu kommen.

DVD-Cover von DER HERR DER RINGE – DIE GEFÄHRTEN (© Warner)
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Erinnerungen im Film

Thomas Koebner widmet sich in seinem neuesten Buch der filmischen Darstellung von Erinnerungen

Erinnerungen tauchen manchmal auf wie Inseln im Meer des Vergessens. Oder um eine andere Metapher zu verwenden: Wie zuvor geschlossene Türen öffnen sie sich unvermutet und geben den Blick in die Zeit frei, die einmal war. Meist ist von der Erinnerung einer Person die Rede – auch im Film herrscht diese ‹Eindimensionalität› vor, wahrscheinlich, weil es leichter ist, sich auf die Perspektive einer Person zu konzentrieren. Aber der Film durchbricht die Innensicht, selbst wenn er manchmal absichtsvoll den Gesichtskreis einschränkt, weil er notgedrungen immer auch eine objektive Umwelt abbildet. Die Kamera sieht generell mehr als der subjektive Blick einer Figur.

UN BALCON SUR LA MER (F 2010), © Melimedias
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THE FATHER – Einer der besten Filme des Jahres 2021

Packendes Drama um Demenz und Identitätsverlust, das konsequent aus Sicht eines 80-jährigen Mannes erzählt ist, dessen Verwirrung sich unmittelbar überträgt

Wo denn seine Armbanduhr bloß wieder sei? Er sei sich sicher, sie auf dem Nachttisch abgelegt zu haben. Aber wahrscheinlich habe die Pflegekraft, die täglich kommt, sie gestohlen. Man müsse sie gleich entlassen.

Diese Szene wird sich mehrmals wiederholen. Sie ist ein emblematisches Beispiel dafür, wie alltägliche Dinge für ältere Menschen eine immer größere Macht bekommen. Sie sind mit Bedeutung aufgeladen; wenn sie verschwinden, gerät die Welt aus den Fugen.

Olivia Colman und Anthony Hopkins in THE FATHER, © Tobis
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Ulrike Ottinger zum 80. Geburtstag

Ulrike Ottinger wird heute 80. Zu diesem Anlass hat Bernd Stiegler einen persönlichen Geburtstagsgruß an die ikonische Künstlerin und Filmemacherin verfasst

Das Titelbild des ausführlichen Gesprächs mit Ulrike Ottinger, das jüngst als Einzelheft der Zeitschrift AUGENBLICK erschienen ist, stammt aus einem Trailer für ihren Film Freak Orlando (1981). Es ist Teil einer Serie von Aufnahmen, die deutlicher als die für den Umschlag ausgewählte machen, dass Ulrike Ottinger hier ein besonderes Gewand gewählte hatte: Sie hatte sich als Müllsammlerin verkleidet. Über und über bedeckt mit den Resten von Plastiktüten, auf denen – immerhin! – noch die Werbung für Bücher zu entziffern war, schritt sie mit einem spitzen Stock bewaffnet durch eine Industriebrache, um dort Sachen aufzulesen, wie es Leute tun, die in Parks das Laub aufsammeln. Im Trailer ertönte die strenge Stimme des Aufnahmeleiters gottgleich aus dem Off und fragte, was sie dort treibe. Ihre Antwort war ebenso einfach wie wunderbar: „Ich sammle Alltag für meine Filme!“

Das Cover des Augenblick #84: Ulrike Ottinger bei Dreharbeiten zu FREAK ORLANDO
Das Cover des Augenblick #84: Ulrike Ottinger bei Dreharbeiten zu FREAK ORLANDO
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«Ich traue den Bildern grundsätzlich alles zu.» – Ulrike Ottinger im Gespräch

Die Filmemacherin Ulrike Ottinger wird am 6. Juni 2022 80. Zu diesem Anlass bringen wir heute schon einmal einen Auszug über den Film Madame X (1977) aus dem Augenblick 84: Ulrike Ottinger im Gespräch

Das Gespräch mit Ulrike Ottinger (UO) haben am 23. und 24. Juni 2021 Beate Ochsner (BO) und Bernd Stiegler (BS) geführt.

BO: Vielleicht bleiben wir bei Madame X. Der Film wurde ja, das haben Sie erwähnt, zum Teil sehr kritisch betrachtet, vor allem im Kontext eines feministischen Filmverständnisses. Theodor Geus titelt seine Rezension des Films «Struwwelpeter für Emanzen», hat den Film aber auch mit dem Lehrstück à la Brecht verglichen, was ihm eine politische Dimension unterstellt. Gertrud Koch bestätigt dies, wenn sie von einer «Emanzipationsparabel» spricht. Das kritische feministische Denken hat sich ja weiterentwickelt und womöglich würde man heutzutage nicht mehr von feststehenden Geschlechtern sprechen. Wie beurteilen Sie das aus heutiger Sicht, wo die Laudatio zum Pink Apple Award, den Sie 2020 erhalten haben, Sie als Regisseurin feierte, die Queerness zelebrierte, noch bevor es ein Wort dafür gab? Wie beschreiben Sie Ihre Rolle als Regisseurin in dieser Perspektive? War es Ihnen jemals ein Anliegen, zu einer solchen
Vorreiterfigur zu werden?

Ulrike Ottinger als Orlando und Tabea Blumenschein als Madame X in MADAME X (1977)
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Katastrophe. Was kommt nach dem Ende?

Einführungsvortrag von Denis Newiak zum Film World War Z (2013) im Rahmen der DFF-Ausstellung Katastrophe

Der Vortrag fand zur Finissage der Ausstellung am 22. Mai 2022 statt. Einen Auszug des Vortrags können Sie hier lesen, den kompletten Vortrag gibt es auch als Video auf YouTube.

Mein Name ist Denis Newiak, ich bin Film- und Fernsehwissenschaftler aus Potsdam und forsche zu Katastrophenszenarien in Kino und Fernsehserien. Dabei interessiert mich, ganz allgemein formuliert, insbesondere die Frage, was uns diese desaströsen filmischen Kunstwerke über den Zustand unserer Gegenwartsgesellschaft verraten können: Warum entstehen heute so viele von diesen wütenden und anarchischen, oft pessimistischen und verstörenden Werken? Woher kommt die große Lust an der filmischen Katastrophe – und was können wir durch sie über die krisengeplagte soziale Realität lernen?

Denis Newiak im DFF – Deutsches Filminstitut und Filmmuseum Frankfurt
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Die Geister, die der Kapitalismus rief

1982 bringt Poltergeist den Spukhausfilm in die amerikanische Vorstadt

In seinem Text Das Unheimliche beschreibt Siegmund Freud die Grundlage jenes Grusels, der dem Spukhausfilm zugrunde liegt: Unheimliches entsteht, wenn die beiden Bedeutungen vom «heimlich», also das Heimelige und das Verborgene, ineinander fallen. Immer wieder wird das Eigenheim ungemütlich, weil sich die nicht nur metaphorischen Geister der Vergangenheit bemerkbar machen. Dieses Genre hat eine lange Tradition in Literatur und Film, von Henry James‘ Novelle Turn of the Screw (1898) über Shirley Jacksons Roman Spuk in Hill House (1962) bis zu dessen erster Verfilmung Bis das Blut gefriert (1963). Was viele Vertreter des Spukhausfilms vor Poltergeist auszeichnet, ist ihre Gothic-Anmutung: Fast immer sind es alte Landhäuser, verlassene Villen oder kleine Schlösser, Orte mit Tradition und abseits der modernen Stadt, an denen das geisterhafte Böse zuschlägt. Amityville Horror (1979) brachte das Grauen um üble Geister, die Menschen zum Mord an der eigenen Familie treiben, zwar schon in das Städtchen Amityville im Bundesstaat New York, wirkt aber so traditionell bis altbacken, dass er sich nicht nur drei Jahre, sondern merklich älter als Poltergeist anfühlt.

POLTERGEIST (USA 1982), © MGM / 20th Century Fox
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