Der Blog des Schüren Verlags über Kino, Medien, Filme und was sonst so betrachtet werden kann

Kategorie: Filmwissen (Seite 3 von 9)

Westworld (1973) – «Ich denke, also kill ich»

Einige Streiflichter zum ambivalenten Verhältnis zwischen Menschen und Mensch-Maschinen im Film

Was könnte der modernste Freizeitpark der Welt Schöneres für Junggesellen und Junggebliebene bieten, als Männer zu erschießen und mit fremden Frauen ins Bett zu hüpfen? Ganz ohne Konsequenzen versteht sich. Denn das menschlich aussehende und agierende Gegenüber ist nur eine Maschine, ein Roboter. Das Blut aus den Einschusslöchern ist nicht echt, ebenso wie die Ekstase beim One-Night-Stand. Beides ist dennoch gleichermaßen erfüllend für die zumeist männlichen Besucher. Doch was passiert, wenn intelligente Maschinen besser werden als ihre Erfinder? Sich die Schöpfung über ihren Schöpfer erhebt? Literatur, Wissenschaft und Film kennen ein paar – beunruhigende – Antworten.

Yul Brynner in ‹Westworld›
Die Masken fallen – Yul Brynner in ‹Westworld› © MGM
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Das mechanische Theater – Gustaf Gründgens und der Film

Ein Auszug aus dem Buch Gustaf Gründgens. Filmische Arbeiten 1930-1960 von Kristina Höch

Der 1917 seinen Kriegsdienst absolvierende Gustaf Gründgens, geboren am 22.12.1899 als Gustav Arnold Heinrich Gründgens in Düsseldorf-Oberkassel, bekam ein Armeeverordnungsblatt in die Hände, in dem das Fronttheater Erwähnung fand, was ihn dazu animierte, sich dort mit erfundener Bühnenerfahrung zu bewerben. So kam es, dass er am 2.10.1918 zum ersten Mal im Stück Jugendfreunde auf einer Theaterbühne stand. Die Grundsteinlegung für die Schauspielkarriere war erfolgt.

Gustaf Gründgens schaut kalt und herablassend (schwarzweiß-Bild)
Gustaf Gründgens in ‹So endete eine Liebe› (D 1934, Regie: Karl Hartl)
© Beta Film / DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum e.V., Frankfurt / KINEOS Sammlung
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Suchbewegungen und das Teilen von feministischem Filmwissen

Bernadette Kolonko zur Entstehung des Gesprächsbandes «Unsichtbares und Ungesagtes»

UNSICHTBARES UND UNGESAGTES – 10 Female*Feminist*Gazes ist das Ergebnis einer 3-jährigen künstlerischen Forschungsarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste, in der ich mich vertieft mit der Frage einer feministischen Ästhetik in den Filmen einer jetzigen Generation von feministischen Filmemacher*innen auseinandergesetzt habe. Aber eigentlich begann diese Suchbewegung schon viel früher, vor gut 10 Jahren an der Filmhochschule, an der ich selbst Regie studierte.

Bernadette Kolonko und Susanne Heinrich in Leipzig, 2019
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Auf den Spuren von ‹Winnetou› in Kroatien

Ein Auszug aus der Neuauflage des Filmreiseführers «on location: Kroatien. Auf den Spuren von ‹Winnetou› und ‹Game of Thrones›»

Kaum ein anderes Alleinstellungsmerkmal der kroatischen Landschaft hat sich so in die Erinnerung der Zuschauer eingebrannt wie die grandiosen Bergwelten Mali Alan / Tulove Grede mit ihren weißen Felsen. Nugget Tsil, das Goldversteck der Apachen in Winnetou 1, die «Geier-Wiese» in Unter Geiern oder das «Tal der Skelette» in Old Surehand 1. Teil wurden erst durch diesen faszinierenden Hintergrund zu beeindruckenden Locations. Auch internationale Großproduktionen wie Dschingis Khan (1965) und Hercules (2014) nutzten dieses Panorama.

Mali Alan: Oberhalb der «Grünen Wiese» fallen die Fingerfelsen ins Auge. Die Sterbeszene in
‹Winnetou 3› (1965) wurde oberhalb der Wiese gedreht.
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Die «filmende Bäckersfrau» Elisabeth Wilms

Filmen als Hobby und Beruf

Alexander Starks Dissertation Die «filmende Bäckersfrau» Elisabeth Wilms Amateurfilmpraktiken und Gebrauchsfilmkultur widmet sich der Dortmunderin Elisabeth Wilms (1905–1981) und ihrer Leidenschaft für das Filmen. Was als Hobby begann, entwickelte sich nach dem Ende des Krieges schnell zu einem einträglichen Geschäft an der Schnittstelle von Amateur- und Gebrauchsfilm.

Elisabeth Wilms wurde am 22. Juli 1905 unter dem Geburtsnamen Lisette Helene Elisabeth Meyer als eines von sechs Kindern des Ehepaars Wilhelm und Anna Meyer in Lengerich-Hohne im Tecklenburger Land geboren. Die Familie betrieb im Ort eine Wurstkonservenfabrik. Über ihre ersten 26 Lebensjahre, in denen sie in ihrem Heimatort lebte und aufwuchs, geben die Dokumente, die sie selbst
hinterließ, kaum Auskunft. Der Großteil der verfügbaren Quellen zu Wilms’ Biografie ist zudem erst viele Jahre nach der Zeit entstanden, auf die sie Bezug nehmen.

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Cool in jeder Lebenslage – Michael Caine

Ein Gastbeitrag des ray Filmmagazin

Von London über Hollywood nach Gotham City – Michael Caine hat eine lange, beeindruckende Karriere hinter sich. Er spielte Playboys und Agenten, Liebhaber und Killer. Nun wird er am 14. März 90 Jahre alt.

»Tony Curtis rettete mir das Leben.« Michael Caine weiß, wie man eine Geschichte erzählt, und so erwies er sich nach der Uraufführung der restaurierten Fassung von Sleuth, gleich am zweiten Abend der Viennale 2012 gezeigt, eine dreiviertel Stunde lang als genialer Unterhalter, der ganz ohne Allüren wundervolle Anekdoten aus seinem Leben verriet. Tony Curtis habe ihm Anfang der sechziger Jahre bei einem zufälligen Treffen in einer Hollywood-Bar kurzerhand das Rauchen verboten. Michael Caine gehorchte – und bekam keinen Lungenkrebs. Auch der Rat von John Wayne sei ihm bei seiner Karriere nützlich gewesen: »Merk dir drei Dinge: Sprich mit tiefer Stimme. Sprich langsam. Und sprich nicht zu viel.«

Michael Caine in "Play Dirty": Er trägt Uniform und zündet sich cool eine Zigarette an einer Kerze an
Michael Caine in ‹Play Dirty› (‹Ein dreckiger Haufen›)
(André De Toth 1969)
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Humorvolle Zombies?

Sassan Niasseri über die Arbeit an seinem Zombie-Buch Shoot `em in the Head

Ich hatte mein Konzept fertig, die ersten Interviewpartner schon im Sinn. Also: Zombies, let‘s go! Und dann … hat meine Verlegerin mächtig Druck aufgebaut. Sie tat es, ohne es zu ahnen. Denn mit dem Okay, dieses Buch bei ihr veröffentlichen zu können, äußerte sie auch einen Wunsch, den ich als grundsätzliches Kompliment verstehen möchte: »Können wir also gerne umsetzen. Wenn es denn in einem Ton geschrieben ist, der genauso humorvoll ist, wie der in Ihrem Buch davor.« Zweimal las ich ihre Antwort. Ich schrieb ihr nicht zurück. Ich starrte für einige Minuten auf meinen Bildschirm. Als meine Frau Stunden später von der Arbeit nach Hause kam, wartete ich schon an der Tür: »Ines, es könnte ein Problem geben.«

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Amateurfilme und Gebrauchsfilmkultur

Alexander Stark über seine Dissertationsschrift über die «filmende Bäckersfrau» Elisabeth Wilms

Dortmunds Stadtzentrum liegt in Trümmern. Die Kamera schwenkt über endlose Schuttberge, zerstörte Gebäude, halbierte Treppenhäuser und den stark beschädigten Glockenturm einer Kirche. Inmitten dieses Chaos hausen Menschen – in feuchten Kellern, in Wohnungen, denen ganze Wände fehlen, in selbstgebauten Verschlägen. Unterernährte Kinder erkunden in zerschlissenen Kleidern die Ruinen. Um zu überleben, stehlen die Menschen Kohle von Güterwaggons, durchsuchen Müllhaufen nach Essensresten und nützlichen Dingen und sind auf die Unterstützung der zahlreichen internationalen Hilfsorganisationen angewiesen, die in der Stadt aktiv sind.

Links die Vorlage für das Textinsert zur Authentifizierung des Filminhaltes von ‹Dortmund November 1947›. Es handelt sich um einen Pappkarton, der im Stadtarchiv Dortmund überliefert ist und den Wilms abgefilmt hat. Rechts eine Totale aus der Eröffnungssequenz von ‹Schaffende in Not›, die im Kontext des Films dazu dient, das große Ausmaß der Zerstörungen in Dortmund greifbar zu machen.
Links die Vorlage für das Textinsert zur Authentifizierung des Filminhaltes von ‹Dortmund November 1947›. Es handelt sich um einen Pappkarton, der im Stadtarchiv Dortmund überliefert ist und den Wilms abgefilmt hat. Rechts eine Totale aus der Eröffnungssequenz von ‹Schaffende in Not›, die im Kontext des Films dazu dient, das große Ausmaß der Zerstörungen in Dortmund greifbar zu machen.
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Der Angst ins Gesicht lachen

Funktioniert Witz in Schweizer Genrefilmen?

Locarno Film Festival, 2012: Es ist der 10. August, ein sommerlicher Abend auf der Piazza Grande bei gefühlten 25 Grad. Genau die richtige Temperatur also, um sich eine Horrorkomödie anzuschauen. Noch dazu eine ‹made in Switzerland› und als Premiere vor dem grössten Freiluftkino-Publikum in Europa – das hat Seltenheitscharakter. Regisseur Michael Steiner wird mit seinem neuesten Werk Das Missen Massaker (CH 2012) diese Ehre zuteil, was das Interesse sowie die Erwartungen an den Film schon seit seiner Bekanntgabe schürt.

Kein Wunder, sind die zum Wippen ungeeigneten, gelbschwarzen Plastikstühle im Herzen der Altstadt schnell bis in die letzten Reihen gut besetzt. Sie sind aber auch genauso schnell wieder leer. Schon nach zwanzig Minuten ergreifen die ersten der insgesamt 8000 Zuschauer_innen die Flucht. Einige kopfschüttelnd, andere pfeifend oder ‹buh› rufend. Zwar gibt es auch immer wieder Lacher aus einzelnen Ecken, doch die Cineasten-Flucht hält an, und auch der Schlussapplaus fällt – nicht nur des geschrumpften Publikums wegen – ziemlich verhalten aus.

Das Missen Massaker (2012), © filmcoopi
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Denis Villeneuve: Ins Auge, in den Bauch, ins Gehirn

Ein Werkportrait des kanadischen Filmemachers Denis Villeneuve und seines Brückenschlags zwischen Arthouse- und Mainstreamkino

Spätestens seit seinen Science-Fiction-Erfolgen Arrival und Blade Runner 2049 ist der Kanadier Denis Villeneuve zu einer eigenen Marke im aktuellen Blockbusterkino geworden; ähnlich wie Ridley Scott oder Christopher Nolan ist er ein «auteur» im Mainstream. Sein Epos Dune ließ beim Filmfestival Venedig 2021 den Lido beben und startete am 16.9.22 in den deutschen Kinos. Anlass für ein Werkporträt.

DUNE (USA 2021), © Warner Bros.
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