Der Blog des Schüren Verlags über Kino, Medien, Filme und was sonst so betrachtet werden kann

Schlagwort: AugenBlick

Ulrike Ottinger zum 80. Geburtstag

Ulrike Ottinger wird heute 80. Zu diesem Anlass hat Bernd Stiegler einen persönlichen Geburtstagsgruß an die ikonische Künstlerin und Filmemacherin verfasst

Das Titelbild des ausführlichen Gesprächs mit Ulrike Ottinger, das jüngst als Einzelheft der Zeitschrift AUGENBLICK erschienen ist, stammt aus einem Trailer für ihren Film Freak Orlando (1981). Es ist Teil einer Serie von Aufnahmen, die deutlicher als die für den Umschlag ausgewählte machen, dass Ulrike Ottinger hier ein besonderes Gewand gewählte hatte: Sie hatte sich als Müllsammlerin verkleidet. Über und über bedeckt mit den Resten von Plastiktüten, auf denen – immerhin! – noch die Werbung für Bücher zu entziffern war, schritt sie mit einem spitzen Stock bewaffnet durch eine Industriebrache, um dort Sachen aufzulesen, wie es Leute tun, die in Parks das Laub aufsammeln. Im Trailer ertönte die strenge Stimme des Aufnahmeleiters gottgleich aus dem Off und fragte, was sie dort treibe. Ihre Antwort war ebenso einfach wie wunderbar: „Ich sammle Alltag für meine Filme!“

Das Cover des Augenblick #84: Ulrike Ottinger bei Dreharbeiten zu FREAK ORLANDO
Das Cover des Augenblick #84: Ulrike Ottinger bei Dreharbeiten zu FREAK ORLANDO
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«Ich traue den Bildern grundsätzlich alles zu.» – Ulrike Ottinger im Gespräch

Die Filmemacherin Ulrike Ottinger wird am 6. Juni 2022 80. Zu diesem Anlass bringen wir heute schon einmal einen Auszug über den Film Madame X (1977) aus dem Augenblick 84: Ulrike Ottinger im Gespräch

Das Gespräch mit Ulrike Ottinger (UO) haben am 23. und 24. Juni 2021 Beate Ochsner (BO) und Bernd Stiegler (BS) geführt.

BO: Vielleicht bleiben wir bei Madame X. Der Film wurde ja, das haben Sie erwähnt, zum Teil sehr kritisch betrachtet, vor allem im Kontext eines feministischen Filmverständnisses. Theodor Geus titelt seine Rezension des Films «Struwwelpeter für Emanzen», hat den Film aber auch mit dem Lehrstück à la Brecht verglichen, was ihm eine politische Dimension unterstellt. Gertrud Koch bestätigt dies, wenn sie von einer «Emanzipationsparabel» spricht. Das kritische feministische Denken hat sich ja weiterentwickelt und womöglich würde man heutzutage nicht mehr von feststehenden Geschlechtern sprechen. Wie beurteilen Sie das aus heutiger Sicht, wo die Laudatio zum Pink Apple Award, den Sie 2020 erhalten haben, Sie als Regisseurin feierte, die Queerness zelebrierte, noch bevor es ein Wort dafür gab? Wie beschreiben Sie Ihre Rolle als Regisseurin in dieser Perspektive? War es Ihnen jemals ein Anliegen, zu einer solchen
Vorreiterfigur zu werden?

Ulrike Ottinger als Orlando und Tabea Blumenschein als Madame X in MADAME X (1977)
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Eine Art Flaschenpost

Bernd Stiegler erzählt, wie das AugenBlick-Heft über Christian Petzold entstanden ist.

Manchmal ist es eine Flaschenpost, die am Anfang eines Projekts steht. Christian Petzold hatte ich Mitte der 2000er-Jahre bei der Eröffnung der Berliner Dependance des Suhrkamp Verlags, für den ich seinerzeit als Wissenschaftslektor arbeitete, in der Fasanenstraße getroffen. Wir hatten uns auf Anhieb gut verstanden, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt mit seinen Filmen alles andere als vertraut war. Er sah es mir in seiner besonderen generösen Art nach. Nach dem Abend kam es zum rituellen Gabentausch: Ich schickte ihm eine kleine Sendung mit eigenen Büchern und er im Gegenzug eine DVD von Die innere Sicherheit mit einem kleinen Begleitbrief: „Lieber Bernd, hab Dank für die Bücher. Ich bin gerade vor den Dreharbeiten, da muss man ein wenig blöd sein, ‚dump‘. Blöd filmt gut, sagen die Kameraassistenten, die mit Pferdeschwanz und Überwintern in Thailand. Ende Juni, Anfang Juli, da sind wir fertig, dann kann wieder gelesen werden, aber so sprechen die Kameraassistenten auch: ‚Das gute Buch‘ oder ‚Jetzt eine heiße Badewanne, Grog etc…‘. Also, ich werde lesen, den ganzen Sommer lang, hoffe, daß wir uns bald wiedersehen, liebe Grüße, Christian“.

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