FILMgeBlätter

Der Blog des Schüren Verlags über Kino, Medien, Filme und was sonst so betrachtet werden kann

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Über Filme sprechen

Die Kunst der Filmkritik von Gunter Groll

Was erwartet der Kinogänger von einer Filmkritik? Kurzinfo über den Inhalt und Angaben welche Stars mitspielen, vielleicht eine kurze und bündige, nicht weiter begründete Daumen-hoch- oder Daumen-tief Bewertung? Wenn der Leser Glück hat und die Zeitung Kinokritiken Platz einräumt, erfährt er noch etwas über den Regisseur, die Hintergründe und dramaturgischen Besonderheiten des Films. Insgesamt ist Filmkritik in einer Tageszeitung eher eine Serviceleistung. Eltern sollen erkennen, ob ein Film für den gemeinsamen Kinobesuch mit den Kindern geeignet ist; Wochend-Kinogänger, ob es ein Actionfilm oder eine romantische Komödie ist. Differenzierte Urteile und längere Ausführungen können in den Fachzeitschriften nachgelesen werden.
Aber daneben gibt es die Filmkritik auch als eigene Literaturform. Als wichtiger Vertreter dieser Gruppe kann Gunter Groll gelten, der von 1945 bis 1959 Filmkritiker bei der Süddeutschen Zeitung war. Groll setzte sich mit Film auseinander, als die «siebte Kunst» in Deutschland noch um Anerkennung rang. Seine Kritiken sind auch heute, ein halbes Jahrhundert nach ihrer Erstveröffentlichung, nicht überholt. Aus einer Anthologie seiner Kritiken drucken wir hier seine Besprechung des Films Zeugin der Anklage (USA 1957, Regie: Billy Wilder). (red.)

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Charlotte Gainsbourg zum Geburtstag

Geboren am 21. Juli 1971

Charlotte Gainsbourg wird 1971 direkt ins Rampenlicht hineingeboren: Zwei Jahre zuvor hatten ihre Mutter, die britische Schauspielerin Jane Birkin, und ihr Vater Serge Gainsbourg mit «Je t’aime … moi non plus» ein ebenso erfolgreiches wie skandalöses Chanson veröffentlicht. Auch die Tochter packt die Lust an der Provokation früh. 1984 nimmt sie mit ihrem Vater den Song «Lemon Incest» auf. Im Video rekelt sie sich dazu mit dem halbnackten Serge auf dem Bett, beide besingen melancholisch die Liebe, die sie nie werden lieben dürfen. Mit sichtlicher Freude am Eklat produziert die inzwischen 15-Jährige 1986 mit ihrem Vater ihr erstes Album «Charlotte For Ever» nebst gleichnamigem Film, der erneut ein inzestuöses Verhältnis zwischen Vater und Tochter thematisiert. Die Frage nach einem autobiografischen Bezug verneint sie bis heute vehement.

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Avatar-Anatomie

Theorie und Ästhetik der Computerspielfigur

«If you find a book you really want to read but it hasn’t been written yet, then you must write it» – so beschrieb Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison 1981 eine mögliche Motivation literarischer Textproduktion. Ganz ähnlich erging es mir nach Abschluss meines medienwissenschaftliches Studiums, als ich mich – nur mit Jens Eders Die Figur im Film (2008) bewaffnet – anschickte, die Analyse von Computerspielfiguren zum Hauptgegenstand meiner Forschung und Lehrpraxis zu machen. Die Crux: Zwar hatten die Game Studies als multidisziplinäres Feld bereits eine Vielzahl theoretischer Zugänge hervorgebracht, die munter an sämtlichen Elementen des Computerspiels erprobt wurden. Doch hatte gleichzeitig die unzureichende Konsolidierung des Feldes zusammen mit dem Mangel an umfassenden Monografien und theoretischer Grundlagenforschung zur Computerspielfigur dazu geführt, dass relevante Ansätze nur schwach rezipiert und nicht systematisch weiterentwickelt worden waren.

«Wenn du ein Buch lesen willst, das noch nicht geschrieben wurde, musst du es schreiben.»
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Stellan Skarsgård zum Geburtstag

Geboren am 13. Juni 1951

«Dieser Junge wollte kein Schauspieler werden», scherzte Stellan Skarsgård kürzlich beim Anblick seines Filmdebüts als rebellischer 16-Jähriger in der schwedischen «Tom Sawyer»-Variante Bombi Bitt und ich (1968). «Der wollte Diplomat werden.»

Zur politischen Karriere hat es nicht ganz gereicht, und doch wurde Skarsgård schon früh eine Art Botschafter des skandinavischen Films. Mit gerade mal 31 Jahren gewann er für seine Darstellung in Der einfältige Mörder (1982) den Preis als Bester Darsteller auf der Berlinale. Danach durfte er in Schweden alles spielen: Romantische Helden, verzweifelte Bauern und sogar die schwedische James-Bond-Version, den Superagenten Carl Hamilton. Mit Filmen wie Sven Nykvists Der Ochse (1991) oder Erik Skjoldbjærgs Insomnia – Todesschlaf (1997) war er zudem Stammgast in Cannes und bei den Oscars, sodass bald andere internationale Filmemacher und schließlich auch Hollywood auf seine erstaunliche Bandbreite aufmerksam wurden. Wobei Skarsgård mit anderen europäischen Darstellern das Schicksal teilt, alle denkbaren Nationalitäten zu spielen: Einen tschechischen Ingenieur in Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (1988), einen ostdeutschen Geheimagenten in Ronin (1998) oder einen russischen U-Boot-Kapitän in Jagd auf Roter Oktober (1990). Skarsgård wurde zu einem «character actor» in reinster Form – er kann alles spielen, und meist spielt er sehr viel auf einmal. Denn er ist ein Meister der Ambivalenz: Nicht selten kippen seine Figuren von sympathisch zu grauenhaft, von arrogant zu tragisch, von verdächtig zu liebenswert – und manche bleiben rätselhaft bis zuletzt. Kein Wunder, dass er sieben Filme mit Lars von Trier drehte: Manche Regisseure lieben es, den Tonfall und die Sympathie des Publikums langsam kippen zu lassen. Und kaum ein Darsteller kann seinen Charme und seine Wärme so plötzlich ein- und abschalten wie Stellan Skarsgård.

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Natalie Portman zum Geburtstag

Geboren am 9. Juni 1981

Eine Fassade als solche präsentieren: Statuenhaft ist das Gesicht, das Natalie Portman zu Beginn von Pablo Larraíns Jackie (2016) der nahezu mythischen Figur der Präsidentengattin leiht. Portman erscheint in diesem Film, der das komplexe Bild einer Frau aus mehreren Identitäten zusammenwebt, als die ideale Besetzung. Die Schauspielerin versteht es, jeder Facette einer Figur – im Falle Jackies die der Ikone, der betrübten oder loyalen Ehefrau, der kühl berechnenden und bewegten Nachlassverwalterin – mit der gleichen Glaubwürdigkeit auszustatten. So entsteht aus heterogenen Rollen langsam eine vielschichtige Person. Brüche werden nachvollziehbar, glatte Oberflächen verdächtig, Unstetes authentisch.

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Mark Wahlberg zum Geburtstag

Geboren am 5. Juni 1971

Das sympathische Multitalent Mark Robert Michael Wahlberg schoss geradezu die Karriereleiter hinauf. Seine bemerkenswerte Laufbahn begann 1991 mit Hilfe seines älteren Bruders Donnie, der Mitglied der Boygroup New Kids on the Block war. Donnie ermöglichte seinem kleinen Bruder ein eigenes Musikprojekt, Marky Mark and the Funky Bunch. Das Debütalbum der Gruppe, «Music for the People», wurde mit Platin ausgezeichnet und war der größte musikalische Erfolg der Hip-Hop-Formation. Seine freizügigen Bühnenauftritte brachten Mark eine Karriere als Unterwäschemodel bei Calvin Klein ein. 1993 produzierte er das Fitnessvideo «The Marky Mark Workout: Form … Focus … Fitness». Währenddessen arbeitete er mit Prince Ital Joe und dem Produzenten Alex Christensen (U-96) an weiteren Musikprojekten wie dem Album «Life in the Streets».

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Neue Schwarze Perspektiven

Boyz N the Hood ist im Jahre 1991 prägend für den Ghettofilm und das New Black Cinema

Dass der Begriff des New Black Cinema im Zusammenhang mit einer Reihe von Filmen, die das Leben der afroamerikanischen Bevölkerung zu Beginn der 1990er thematisierten, aufkam, kann auf mehrere sich ergänzende Weisen ausgelegt werden. So markierten diese Filme eine Abkehr von einer ersten Welle schwarzen Kinos aus den 1970ern, dem Blaxploitation-Film. Dessen Initialzündung Sweet Sweetback‘s Baadasssss Song (1971) ging zwar auf den schwarzen Regisseur und Hauptdarsteller Melvin Van Peebles zurück, viele Folgefilme waren aber von weißen Regisseuren und Produzenten gedreht worden. Außerdem war der Blaxploitation-Film umstritten, gerade beim Zielpublikum: Einerseits fanden schwarze Menschen nun verstärkt souveräne Identifikationsfiguren auf der Leinwand, andrerseits waren dies oft Drogendealer, Pimps oder Vigilanten, die Klischees über die afroamerikanische Bevölkerung ausschlachteten. Während die Coolness und der Swagger der Blaxploitation-Helden in schwarzen Action-Heroen in Werken wie Beverly Hills Cop (1984), Action Jackson (1988) und Bad Boys (1995) weiterlebten, waren diese Filme Mainstream für einen möglichst großen Massenmarkt. Das New Black Cinema erneute dagegen den Appeal des Blaxploitation-Kinos, war zudem aber auch insofern neu, als dass sich viele junge und schwarze Filmemacher daran versuchten, oft außerhalb des Studiosystems.

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Warum sind David Leans Filme heute noch aktuell?

oder: Alienität und Alterität

Lawrence pustet ein Streichholz aus. Schnitt. Die purpurrote Sonne über der arabischen Wüste, die langsam hinter dem Horizont emporsteigt und deren Licht sich wie ein Film aus flüssigem Gold über dem Wüstensand ergießt. Ein revolutionärer Filmmoment, an den sich gewiss jeder erinnern wird, der ihn einmal auf der Leinwand erleben durfte. Ohne jeden Zweifel: David Leans Bilder entfesseln eine Eindrücklichkeit, die mit Worten nur schwer zu fassen ist: Die flimmernden Rot-Orange-Töne auf der Leinwand lassen den Kinosaal zu einem lebenswidrigen Schmelztiegel werden, in dem auch Menschenrechte unter der arabischen Sonne förmlich verglühen. Die in Eis erstarrte Romantik der russischen Einöde macht Zuschauer wie Hauptfigur unfähig, sich zwischen Krieg und Frieden zu entscheiden. Und die tosende Sprengung einer Brücke, um deren Erbauung im Film rund 160 Minuten gekämpft wurde, hinterlässt auch bei uns einen emotionalen Trümmerhaufen, ohne eine wahrhaftige Identifikationsfigur, geschweige denn einen Helden. Leans Bilder entwickeln ihre Sprengkraft, für die manchmal selbst die Cinemascope-Leinwand zu klein zu sein scheint, vor allem über ihre Geschichten; ihre Geschichten von Menschen, die von Idealen getrieben und der Hoffnung besessen sind, in der Fremde eine Heimat zu finden und die Welt dadurch zu einer besseren zu machen.

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Helden und andere Killer

1971 erscheinen mit Dirty Harry und French Connection
zwei Klassiker des Polizeifilms

«This is the story of two killers» raunte einst unheilvoll eine Stimme über dem Trailer zu Don Siegels Actionklassiker Dirty Harry und kam der Wahrheit bedenklich nahe. Da wäre zum ei­nen der Scorpio-Killer, fiktionalisiert, doch über-
deutlich auf den zur gleichen Zeit wütenden Zodiac-Mörder anspielend. Killer Nummer zwei: Der einzelgängerische Detective «Dirty» Harry Callahan. Noch bevor die Credits ihr Ende finden, steht Callahan auf dem gleichen Dach des Wolkenkratzers, von dem aus Scorpio eine junge Frau per Scharfschützengewehr ermordet hat. Sein Blick ruht mit der gleichen lauernden Euphorie auf seiner Stadt San Francisco wie das Fadenkreuz Scorpios. Ihre Motivationen sind ähnlich: Es gibt so viel zu töten in dieser Stadt.

Es wird noch ein Jahr dauern, bis Watergate auch die letzten Illusionen an der Integrität der Regierung Lügen straft. Der Sixties-Blues wird bald einem abgeklärten Pessimismus weichen. Zumindest in den Kinos jedoch hatte die Zeitenwende, die man sich erhoffte, stattgefunden. Statt für solide Jedermänner oder die «strong silent types» á la Gary Cooper begeisterte sich eine Generation plötzlich für Outlaws wie Bonnie und Clyde (1967), Hippie-Rocker wie in Easy Rider (1969), Schluffis wie Dustin Hoffmann in Die Reifeprüfung (1967) oder vom Pech verfolgte Stricher in Asphalt-Cowboy (1969). New Hollywood war da.

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