Der Blog des Schüren Verlags über Kino, Medien, Filme und was sonst so betrachtet werden kann

Autor: Blätterchefin (Seite 2 von 6)

Mythen stehen unserem Glück entgegen

Mathias Kopetzki erzählt, warum und für wen er sein Buch „ÜBERLEBEN IM DARSTELLERDSCHUNGEL – Wegweiser für freischaffende SchauspielerInnen“ geschrieben hat
Mathias Kopetzki bei der Buchvorstellung

Die Sehnsucht nach diesem Buch entstand schon vor vielen Jahren. Damals war ich mir aber noch nicht bewusst, dass ich selber es initiieren und schreiben würde. Ich wusste nur, sowas müsste es einfach geben.

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Chronik einer Sehnsucht

Edgar Reitz über eine ANDERE HEIMAT in Brasilien

Die Heimat-Trilogie, deren erster Teil als Fernsehserie vor beinahe 40 Jahren lief, hat eine ganze Generation bewegt. In seinem neuen Kinofilm Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht zeigt uns Edgar Reitz die Vorfahren der Familie Simon in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als Armut und Unfreiheit viele Menschen zur Auswanderung trieben. In den Hunsrückdörfern war vor allem die Auswanderung nach Brasilien populär.

Vor dem Hintergrund dieser historischen Tatsache entfaltet sich eine bewegende Geschichte von großer Poesie, die sicher auch deswegen so berührt, weil Edgar Reitz das fiktive Dorf Schabbach mit größtmöglicher Sorgfalt und Präzision zum Leben erweckt hat. Im Folgenden geben wir einen gekürzten Auszug aus dem begleitenden persönlichen Filmbuch wieder, in dem der Regisseur schildert, wie das nüchterne Thema «Auswanderung» ihn zu seinem Film motiviert hat.

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Emma Watson zum Dreißigsten

* 15. April 1990

Kelly und Ryan sind sicher sehr nette Menschen, sie moderieren seit vielen Jahren die US-Talkshow „Live mit Kelly und Ryan“. Aber man schlackert schon gewaltig mit den Ohren, wie bemüht sie bei einer Sendung im Jahr 2001 sind, mit einem Kind auf kleinkindliche Weise zu sprechen, sodass phasenweise die intellektuelle Augenhöhe nicht mehr gewährleistet scheint – für die Moderatoren. Die 11-jährige Interviewpartnerin lässt nie einen Zweifel daran, dass sie sehr intelligent und auch verbal schlagfertig ist, besonders in einem Moment des Interviews: Ryan möchte wissen, ob andere Kinder in ihrer Schule nicht neidisch auf sie seien, weil sie die Rolle der Hermine Granger in dem Blockbuster-Film Harry Potter und der Stein der Weisen (2001) bekommen hat. Dafür macht er Kinderstimmen nach und fragt: „Warum du? Warum du, Emma?“ Die junge Emma lächelt das weg und sagt ganz schlicht, nett und ehrlich belustigt: „Because I’m worth it!“ Genau dieses freundliche, aber bestimmte Selbstbewusstsein hatte auch die Casting-Agenten beeindruckt, die 1999 in England auf der Suche nach einer Hermine waren – und Emma Watson fanden.

Viele Jahre Harry-Potter-Wahnsinn hatten damit gerade erst begonnen. Am Ende sollten acht Filme stehen, die mit einem Gesamteinspielergebnis von beinahe acht Milliarden Dollar eine der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten bilden, nur ganz knapp hinter Star Wars. Hinter diesem Erfolg verbarg sich endlos viel Arbeit und aufgegebenes Leben für die jungen Schauspieler, besonders die Hauptdarsteller Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint, die als Kinder begannen, während den Dreharbeiten Teenager wurden und schließlich zu jungen Erwachsenen reiften. Man stelle sich einfach Boyhood (2014) als Mini-Serie im Jahresrhythmus in Fantasy vor.

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Erinnerung an Robby Müller

4. 4. 1940 – 3. 7. 2018

Es ist so einfach, ein schönes Bild zu machen“, sagte Robby Müller einmal in einem Interview und fügte hinzu: „Viel schwieriger ist es, ein Bild zu machen, das nicht komponiert ist.“ Diese Sätze könnte man als künstlerisches Credo über das einzigartige Œuvre des niederländischen Kameramanns setzen. Müller ist seit vier Jahrzehnten ein herausragender Vertreter seiner Zunft, in Europa genauso hochgeschätzt wie in Nordamerika. Als er im Jahr 2003 mit dem Marburger Kamerapreis ausgezeichnet wurde, hob der Beirat in seiner Begründung zwei Eigenschaften heraus, die Müllers Arbeitsmodus auszeichnen: „Die Neugierde auf das, was jenseits der Professionalität des Berufes in der Sprache des Kinos zu entdecken ist, und das Vertrauen in die gemeinsam getragene Arbeit an einem Film als ideeler Kraft für die Utopie eines Einzelnen, eines Regisseurs.“

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Heimat – eine deutsche Chronik

Edgar Reitz’ Meisterwerk in digitaler Qualität neu zu sehen

Als die 11-teilige Serie Heimat – Eine deutsche Chronik 1984 erstmals im Fernsehen gezeigt wurde, wurde sie sofort als unerhörtes Fernsehereignis wahrgenommen und gehört heute zu den Meilensteinen deutscher Filmgeschichte. Viele Menschen erinnern sich, dass sie gebannt vor dem Fernseher saßen, weil es so etwas im deutschen Fernsehen noch nicht zu sehen gegeben hatte. Der Spiegel fasste damals dieses Empfinden in Worte: «Was der Heimat-Unternehmung von Edgar Reitz ihre ganz eigene Kraft gibt, ist die persönliche Nähe: die Leidenschaft und Unbedingtheit, mit der Reitz sich in das eigene Eckchen Heimat verbissen hat. Gerade weil er nur auf seinen Hunsrück geschaut und keinen Moment auf Wirkung in der größeren Welt geschielt hat, ist sein Schabbach beispielhaft geraten, wirklich Mitte der Welt geworden, und die mächtige Zustimmung, die sein Werk nun von Folge zu Folge findet, macht es zu einem Stückchen deutscher Fernsehgeschichte.» (Nr. 40, 1984)

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Deutsche Träume vom Norden

Darstellungen Skandinaviens in Literatur und Film der Gegenwart

Wenn man sich in der deutschen medialen Öffentlichkeit umschaut, fällt deutlich die starke Präsenz von Skandinavienbildern in Film und Fernsehen sowie in Literatur und Presse auf. Hierzulande erfreuten sich nicht nur die inzwischen international beliebten Skandinavien-Krimis früher Beliebtheit, Nordic Noir-Serien und andere skandinavische TV-Produktionen entstehen zudem heute häufig mit deutscher Beteiligung. Darüber hinaus lässt sich das auffallend große Interesse an den nordischen Ländern an der Vielzahl der Skandinaviendarstellungen aus deutscher Perspektive ablesen.

Im Rahmen dieser Gruppe der Heteroimages vom Norden stechen im Bereich des deutschen Unterhaltungsfernsehens besonders zwei Fernsehreihen hervor: Inga Lindström und Liebe am Fjord spielen an pittoresken schwedischen und norwegischen Schauplätzen, wo sich allerlei Liebeshandlungen, Verwirrungen und Intrigen mit garantiertem Happy End entspinnen. Wie nicht nur diese Serien beweisen, verbinden die deutschen Zuschauer – anders als etwa das britische Publikum – Skandinavien nicht ausschließlich mit Vorstellungen brutaler Kriminalfälle oder Visionen einer gewalttätigen, von Wikingern beherrschten Vorzeit. Vielmehr stützen sich deutsche Imaginationen des europäischen Nordens bevorzugt einerseits auf idyllisch-nostalgische Visionen vertrauter Kindheitsparadiese – schließlich entstanden auch die Pippi-Langstrumpf-Verfilmungen einst als deutsche Koproduktionen. Zum anderen erscheint Skandinavien mit seiner weitläufigen Natur trotz des kühlen Klimas als perfekte Reise- und Urlaubsregion, wie sie schon vor fast hundert Jahren Kurt Tucholskys mehrfach verfilmter Bestseller Schloss Gripsholm in leicht humoristischer Brechung präsentierte und wie sie in realiter und ganz ironiefrei nicht zuletzt von Kaiser Wilhelm II. geschätzt wurde.

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Schlaf(modus). Pause | Verarbeitung | Smartphone | Mensch

Warum beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe (77) der Zeitschrift AUGENBLICK mit Schlaf und Smartphone?

Wie es zu unserem Heft Schlaf(modus) kam? Welch‘ bemerkenswerte Frage. Wird man doch normalerweise im Wissenschaftskontext entweder nach der Quintessenz seiner Gedanken bzw. der Publikation oder gleich nach dem neuen Projekt gefragt. Was steht als nächstes an? Was hast du in der pipeline? So oder ähnlich klingen die üblichen Fragen auf Fachtagungen, auf den Unifluren oder in der Mensa. Hier nun also eine Rückschau, ein Innehalten, ein Schritt zurück. – Pause!

„Im Anfang war das Wort“ (Joh 1, 1–3), heißt es im Johannisevangelium; einer Art ‚Neuauflage‘ der Schöpfungsgeschichte aus der hebräischen Bibel. Das Wort, das Gespräch und der Austausch standen auch bei meinen beiden Mitherausgeberinnen Ulrike Allouche und Solveig Ottmann mit mir am Anfang – wie immer, wenn etwas Gemeinsames und nicht Solitäres entstehen soll. Während ich darüber nachdachte, ‚etwas‘ zu digital detox schreiben zu wollen, kehrten die Ambitionen der beiden anderen immer wieder zum Thema Schlaf zurück. Die eine müde von der Arbeit, die andere müde aufgrund von Arbeit und schlaflosen Nächten – vielleicht auch beide müde vom ständigen Medienkonsum. Zunehmend kristallisierte sich heraus, dass doch beide Themen miteinander kombinierbar sein müssten. Ist die Sehnsucht von digital detox nicht auch die Ruhe, das Nicht-Senden und Nicht-Empfangen, der Schlaf? Im Frühjahr 2018 reifte die Idee, ein transdisziplinäres Symposium zum Thema Schlaf und Smartphone auf die Beine stellen zu wollen. Unterschiedlichste Disziplinen – Mediziner, Psychologen, Informations- wie Medien- und Kulturwissenschaftler – sollten in diesem Kontext zusammenfinden und überlegen, was das Smartphone mit unserem Schlaf ‚macht‘. Im Januar 2019 dann die Realisierung an der Universität Regensburg, ein Jahr später die Publikation. Schneller kann ein Wissenstransfer von der Idee bis zum fertigen Buch kaum von Statten gehen – Verarbeitung!

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CINEMA, Chicago, Skandal

Heinrich Weingartner über das neue CINEMA #65: Skandal

Ich bin noch nicht lange in der CINEMA-Redaktion. Auf die Themenwahl des «CINEMA Jahrbuch 65» hatte ich so gut wie keinen Einfluss. Ein Skandal. Wieso ich trotzdem darum gebeten wurde, einen Blogbeitrag zu verfassen? Weil ich, zusammen mit meinem Kollegen David Grob, das Buch produziert habe. Aus Chicago. Also, ich aus Chicago, David aus Zürich. Das hat trotz geographischer Dislozierung tipptopp funktioniert, wie Sie sehen können. Natürlich wollten wir mit dieser räumlichen Aufteilung keinen Guinness-Rekord erzielen. Ich habe von August bis November letzten Jahres in Chicago einen Atelieraufenthalt absolviert und diese schöne Aufgabe mit ins Gepäck genommen. Die Tätigkeit bei der CINEMA-Redaktion basiert auf Ehrenamt und mein Atelieraufenthalt wurde von der öffentlichen Hand bezahlt. Deshalb konnte ich mich guten Gewissens der auswärtigen Selbstausbeutung hingeben. Drei Erkenntnisse:

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Wer will ich sein?

Stefan Leisten über seine Arbeit über Ethisches Lernen an TV- und Videospielserien sowie Let’s Plays

Wer will ich sein? – Ethisches Lernen an TV- und Videospielserien sowie Let’s Plays

Sei es bei der Familienfeier, beim Bier mit FreundInnen, auf dem Institutsflur im Gespräch mit KollegInnen oder auf Tagungen – die Fragen, wie ich auf das Thema meiner Dissertation gekommen bin und was mich daran besonders interessiert, kamen und kommen immer noch in unterschiedlichen Kontexten auf. Nicht selten schließt daran die Frage nach den Erkenntnissen meiner Arbeit an. Beide möchte ich in diesem Blogeintrag kurz beantworten.

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Eine Art Flaschenpost

Bernd Stiegler erzählt, wie das AugenBlick-Heft über Christian Petzold entstanden ist.

Manchmal ist es eine Flaschenpost, die am Anfang eines Projekts steht. Christian Petzold hatte ich Mitte der 2000er-Jahre bei der Eröffnung der Berliner Dependance des Suhrkamp Verlags, für den ich seinerzeit als Wissenschaftslektor arbeitete, in der Fasanenstraße getroffen. Wir hatten uns auf Anhieb gut verstanden, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt mit seinen Filmen alles andere als vertraut war. Er sah es mir in seiner besonderen generösen Art nach. Nach dem Abend kam es zum rituellen Gabentausch: Ich schickte ihm eine kleine Sendung mit eigenen Büchern und er im Gegenzug eine DVD von Die innere Sicherheit mit einem kleinen Begleitbrief: „Lieber Bernd, hab Dank für die Bücher. Ich bin gerade vor den Dreharbeiten, da muss man ein wenig blöd sein, ‚dump‘. Blöd filmt gut, sagen die Kameraassistenten, die mit Pferdeschwanz und Überwintern in Thailand. Ende Juni, Anfang Juli, da sind wir fertig, dann kann wieder gelesen werden, aber so sprechen die Kameraassistenten auch: ‚Das gute Buch‘ oder ‚Jetzt eine heiße Badewanne, Grog etc…‘. Also, ich werde lesen, den ganzen Sommer lang, hoffe, daß wir uns bald wiedersehen, liebe Grüße, Christian“.

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