Der Blog des Schüren Verlags über Kino, Medien, Filme und was sonst so betrachtet werden kann

Schlagwort: London After Midnight

Hollywoodstar Lon Chaney

Der Mann mit den 1000 Gesichtern.

Es war in den 1990er-Jahren, als ich erstmal einem von Chaneys Tausend Gesichtern begegnete: auf einer Halloweenparty hatte sich jemand als The Man in the Beaver Hat verkleidet, originell schaurig wie ich fand. Was ich damals nicht wusste: Es ist das Kostüm, das Lon Chaney 1927 in dem Horrorfilm London after Midnight trug und ja, er war Hollywoods erster Filmvampir, vier Jahre bevor Dracula in die Kinos kam. Angeblich war sein Auftritt als Untoter in diesem Gruselkrimi so überzeugend schockierend, dass es Menschen in den Wahnsinn treiben konnte. Kein Scherz!

Lon Chaney präsentiert die Quelle seiner Verwandlungskunst, seinen
unverzichtbaren Make-up-Koffer.
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Ein Mordprozess und die Wirkung des Kinos: Der Fall Robert Williams (1929)

Im Londoner Old Bailey beruft sich ein Angeklagter auf Visionen des Schauspielers Lon Chaney – und macht einen Kriminalfall zu einem ungewöhnlichen Kapitel der Filmgeschichte.

London 10. Januar 1929: An diesem Tag steht der Angeklagte Robert Williams wegen Mordes vor Gericht. Der 28-Jährige arbeitslose Zimmermann hatte am 23. Oktober des Vorjahres die Hausangestellte Julia Mangan getötet. Es besteht kein Zweifel an seiner Schuld, dennoch weist Williams die Verantwortung von sich und stellt eine groteske Behauptung auf, die diesen Fall weit über seine Zeit hinaus populär machen wird: Kurz bevor er der jungen Frau im Hyde Park mit einem Rasiermesser die Kehle durchschneidet, sieht Williams laut eigener Aussage in einer Vision «einen Mann an der Ecke, der Grimassen schnitt. Er drohte mir und schrie mich an, dass er mich da hätte, wo er mich haben wollte!» Dieser Mann ist für kaum jemanden im Gerichtssaal ein Unbekannter, im Gegenteil: Der Mann ist weltberühmt – es ist der Hollywoodstar Lon Chaney.

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