Von Annie Hall bis Instagram: Zum Andenken an Diane Keaton – eine Hollywood-Ikone, die bis zuletzt ihren eigenen Weg ging.

Obwohl sie 1946 schon direkt in der Filmstadt Los Angeles geboren wurde, zog es Diane Keaton Mitte der 1960er Jahre zuerst nach New York. Am Broadway spielte sie 1969 die weibliche Hauptrolle im Bühnenstück „Play it Again, Sam“ und lernte dort Woody Allen kennen. Eine Begegnung, die prägender war als ihr Auftritt in Der Pate, durch den sie 1972 international bekannt wurde. Mit Allen drehte sie neben Der Schläfer (1973), Die letzte Nacht des Boris Gruschenko (1975) und Manhattan (1979) auch Der Stadtneurotiker – Annie Hall (1977).

Diane Keaton als Annie Hall in DER STADTNEUROTIKER (1977) © United Artists / MGM

Der Titel kombiniert ihren Spitz- und Geburtsnamen, denn Keaton ist eigentlich der Mädchenname ihrer Mutter, einer Hausfrau und Amateurfotografin, den Diane als Künstlernamen wählte, weil es in den 1960ern schon eine Schauspielerin namens Diane Hall gab. Die Figur Annie Hall wiederum – vom typischen Kleidungsstil bis hin zur Redeweise („La di da“) – war von ihr inspiriert. Für ihre Performance erhielt sie den Academy Award als Beste Darstellerin. Mit Allen blieb sie über ihre Liebesbeziehung hinaus eng befreundet.

Vom Stadtneurotiker zur ernsthaften Charakterdarstellerin

Die filmische Zusammenarbeit mit ihm endete vorerst 1979, was auch einen Wechsel zu dramatischen Sujets markierte: Als Journalistin und Suffragette Louise Bryant in Reds (1983) begeisterte sie Kritiker wie Vincent Canby und Roger Ebert. Über ihre Rolle im bitteren Ehedrama Du oder beide schrieb Pauline Keal im Januar 1982 in The New Yorker, Keaton sei ein Star ohne jede Eitelkeit und eine der wenigen jungen US-amerikanischen Schauspielerinnen, die Stärke und Instinkt für dramatische Rollen und das Zeug zu intelligenten, anspruchsvollen Heldinnen habe. Nach Annie Hall wurde sie bis für drei weitere Oscars nominiert (Reds, 1981; Marvins Töchter, 1996; Was das Herz begehrt, 2003).

Drei Filmdiven: Bette Midler (l.), Goldie Hawn (M.) und Diane Keaton (r.) in
DER CLUB DER TEUFELINNEN (1996) © Paramount
Regie, Musikvideos und neue filmische Wege

Ihren ersten Dokumentarfilm (Alles über Himmel und Hölle) als Regisseurin inszenierte sie 1987, außerdem Musikvideos (darunter das zu Belinda Carlisles Pop-Hit „Heaven is a Place on Earth“) und landete an der Seite von Steve Martin 1991 in Vater der Braut auch wieder einen kommerziellen Filmhit. In den 1990ern zählte sie mit über 40 Jahren – noch immer keine Selbstverständlichkeit in der Branche – zu den etabliertesten Schauspielerinnen Hollywoods. Plastische Chirurgie lehnte sie ihr ganzes Leben lang ab. In Filmen wie Der Club der Teufelinnen (1996) oder Was das Herz begehrt zelebrierte sie stattdessen Selbstbewusstsein und Lebenserfahrung wider den Jugendwahn.

Castete Francis Ford Coppola sie noch für Der Pate, weil sie den Ruf hatte, exzentrisch und ein wenig „kooky“ (verrückt) zu sein, ist ihre feine Selbstironie bis heute legendär. Sie galt als „good company“, konnte am Set aber auch bissig sein: Sarah Jessica Parker, deren Figur von Keaton als Matriarchin im Film Die Familie Stone (2005) verachtet wird, verließ das Set nach Takes mit Keaton oft mit den Worten „I like to believe she’s in character“ und freute sich so über das Privileg, in den Genuss von Keatons scharfzüngigem, grausamem Humor zu kommen.

Keaton privat: Selbstbestimmtes Leben und Liebe zur Architektur

Neben ihrer sechs Jahrzehnte währenden Karriere führte Diane Keaton ein erfülltes Leben jenseits von Hollywood. Sie adoptierte im Alter von 50 Jahren zwei Kinder und ließ romantische Beziehungen (neben Allen waren auch Al Pacino und Warren Beatty mal mit ihr liiert) ohne Verbitterung hinter sich. Sie restaurierte Immobilien in Kalifornien, auch um historische Gebäude zu erhalten. Darunter zum Beispiel das 1923 von Frank Lloyd Wright südlich des Griffith Park erbaute Ennis House. Sie sammelte Bilder von Clowns, schrieb und fotografierte.

Diane Keaton mit Jack Nicholson in WAS DAS HERZ BEGEHRT (2003) © Warner

Wer Glück hatte, konnte sie in L.A. als eine der wenigen Fußgängerinnen zufällig bei ihren Fotospaziergängen oder mit ihrem geliebten Golden Retriever Reggie treffen, der auch der Co-Star auf ihrem Instagram-Profil war.

Diane Keaton verstarb am 11. Oktober 2025 im Alter von 79 Jahren. Ihr Humor, ihr Stil und ihre Haltung gegen den Jugendwahn bleiben unvergessen. Diane Keaton sagte einmal: „Dieser Alte-Jungfer-Mythos – das ist doch Müll.“ Recht hatte sie. Ihr Leben war der beste Beweis dafür.

Maxi Braun

Dieser Beitrag stammt aus dem Filmkalender 2026. Auch der Kalender für 2027 enthält Portraits von Filmschaffenden und spannende Textbeiträge.