Schauspieler *11. Februar 1936 †6. September 2018
Eine gerne von Burt Reynolds kolportierte Geschichte geht dahin, dass Clint Eastwood und er am selben Tag des Jahres 1958 von den Universal Studios gefeuert worden seien. Eastwood, hieß es, spreche zu langsam, habe diesen abgebrochenen Zahn und sein Adamsapfel sei zu groß. Als Reynolds den Personalchef fragte, warum er entlassen sei, bekam er hingegen zur Antwort: „Du kannst nicht schauspielern.“

Reynolds ergatterte seine erste feste Rolle in der Westernserie Riverboat (1959-1960), kündigte, weil er mit dem Hauptdarsteller nicht zurechtkam und gelangte doch noch zu erstem Fernsehruhm, indem er ab 1962 in drei Staffeln von Rauchende Colts einen muskulösen Dorfschmied verkörperte. Er wurde Protagonist zweier ordentlicher, aber kurzlebiger Krimiserien (Hawk, 1966-1967; Dan August, 1970-1971) und spielte Hauptrollen in B-Filmen, darunter im Italowestern An seinen Stiefeln klebte Blut (1966, als Indianer auf Rachefeldzug unter der Regie von Sergio Corbucci) und im Action-Noir Outsider (von Sam Fuller, 1969).
Ein rasanter Aufstieg
Beliebt bei den Produzenten wurde er, weil er bereit war, Stunts selbst durchzuführen, so dass Geld eingespart wurde, wenn der Held eine steile Treppe herunterzufallen oder durch eine Fensterscheibe zu springen hatte. Beim Dreh von Beim Sterben ist jeder der Erste (1972) stürzte sich Reynolds so in halsbrecherischer Manier mit einem Kanu in felsige Stromschnellen.

Der Survivalthriller von John Boorman wurde zu einem überraschenden Kritiker- und Kassenerfolg und einem der drei Gründe für Reynolds weiteren rasanten Aufstieg. Der zweite Grund war, dass er sich als unterhaltsamer Talkshowgast etablierte – alleine in Johnny Carsons Tonight Show trat er von 1971 bis 1992 über 60 Mal auf und konterkarierte gnadenlos selbstironisch seinen Status als Sexsymbol. Und da war noch das Centerfold in der Cosmopolitan vom April 1972. Nackt auf einem Bärenfell liegend, verdeckt sein Unterarm nur knapp den Intimbereich.
Zur selben Zeit muss Reynolds auch in seinem Curriculum Vitae seinen Geburtsort von Michigan nach Georgia verlegt haben, denn besonders beliebt beim Publikum – und gehasst von der Kritik – waren seine in den Südstaaten angelegten Actionfilme, darunter der verhältnismäßig ernsthafte Der Tiger hetzt die Meute (1973) und dessen Fortsetzung Mein Name ist Gator (1976, zugleich Reynolds‘ Regiedebüt). Für deren waghalsige Autostunts zeichnete Hal Needham verantwortlich.
Zwischen Komödie und Charakterrolle
Dank Reynolds‘ Einfluss wurde sein seit Riverboat-Zeiten enger Freund Needham vom Stuntman zum Regisseur befördert, und die beiden drehten jene sechs leichtfüßigen Actionkomödien, welche bis heute das Bild von Reynolds als schnauzbärtigem Frauenschwarm prägen und ihn bis hinein in die frühen 1980er zu dem beliebtesten Hollywoodstar machten, darunter Ein ausgekochtes Schlitzohr (1977) und Auf dem Highway ist die Hölle los (1981, als Anführer eines Starensembles u.a. mit Roger Moore, Farrah Fawcett, Dean Martin, Sammy Davis Jr., Jackie Chan und Peter Fonda).

AUF DEM HIGHWAY IST DIE HÖLLE LOS (1981) © 20th Century Fox
Retrospektiv ein wenig in Vergessenheit geraten ist, dass Reynolds auch damals ein breites Rollenspektrum bediente. Er spielte unter angesagten Regisseuren wie Peter Bogdanovich, Alan J. Pakula, Don Siegel und Blake Edwards (wenn auch nicht in deren besten Filmen), glänzte in Robert Aldrichs Knastdrama Die Kampfmaschine (1974), inszenierte sich selbst im harten Reißer Sharky und seine Profis (1981) und tanzte mit Dolly Parton durch Das schönste Freudenhaus in Texas (1982).
Absturz und Comeback
Ab Mitte der 1980er sank Reynolds Stern rapide. Zurück beim Fernsehen spielte er in der gemächlichen Kleinstadt-Sitcom Evening Shades (1990-1994). Nach deren Absetzung, am Tiefpunkt seiner Karriere, überraschte er mit einem Glanzauftritt als schmieriger Politiker im ansonsten (zu Unrecht) verrissenen Striptease (1996) und erhielt für seine Nebenrolle in Boogie Nights (1997) seine einzige Oscar-Nominierung.

Reynolds wurde nun zum gefragten Darsteller der zweiten Reihe. Seine Freundschaft mit Needham diente Quentin Tarantino zur Inspiration für Once Upon a Time in Hollywood (2019), in dem Reynolds für den Part des greisen Ranchbesitzers George Spahn vorgesehen war, aber wenige Tage vor den Dreharbeiten verstarb.
Carsten Tritt
Dieser Beitrag stammt aus dem Filmkalender 2026. Auch der Kalender für 2027 enthält Portraits von Filmschaffenden und spannende Textbeiträge.


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