Schauspieler *21. Februar 1946 †14. Januar 2016
Kurz nachdem Alan Rickman seinem Krebsleiden am 14. Januar 2016 erlag, veröffentlichte der New Yorker einen Cartoon zu seinen Ehren. Darin sitzen John McClane und Harry Potter in einer Bar und prosten einander traurig zu: „Here’s to the best damned antagonist a guy could ask for.“ Rickman war ein vielseitiger Schauspieler, einer der besten, die nie für einen Oscar nominiert wurden, aber für die Ewigkeit waren vor allem seine Schurkenrollen.

© Warner Bros.
Als der gebürtige Londoner acht Jahre alt war, starb sein Vater an Krebs; seine Mutter arbeitete hart, um vier Kinder durchzubringen. Schon während der Schule spielte Alan Rickman Theater, erwarb anschließend Abschlüsse an Kunsthochschulen, wandte sich aber erst einer sicheren Beschäftigung zu und eröffnete mit Freunden ein Studio für Graphikdesign. Trotz geschäftlichen Erfolgs siegte Leidenschaft über Sicherheit: Er begann ein Schauspielstudium an der Royal Academy of Dramatic Art und finanzierte sich währenddessen mit Kostümjobs. Nach dem Abschluss spielte er viel Theater, auch als Teil der Royal Shakespeare Company, und übernahm hin und wieder Rollen im Fernsehen.
Seine erste Kinorolle hatte er mit Anfang 40, in den USA, doch erlangte damit direkt Legendenstatus. Als kriminelles Mastermind Hans Gruber in Stirb langsam (1988) philosophiert er über Armani und Alexander den Großen, schießt Geiseln eiskalt in den Kopf und verhöhnt den Helden McClane als Waisenkind einer bankrotten Kultur, offenbart aber auch Risse in der überlegenen Fassade, wenn man ihn als einen stinknormalen Dieb oder als „Motherfucker“ bezeichnet. Mit schneidender Stimme, eisigem Blick und viel Charisma legte er eine Performance hin, die zu den besten Bösewichtsdarbietungen aller Zeit zählt.

Typecasting als Bösewicht
Von da wurde er gern als Schurke gecastet. Als Großgrundbesitzer heuert er Tom Selleck als Titelhelden von Quigley der Australier (1990) für eine vermeintliche Dingojagd an, die sich als Feldzug gegen Aborigines entpuppt. Für die Rolle des Sheriffs von Nottingham in Robin Hood – König der Diebe (1991) ließ er sich künstlerische Freiheit zusichern und stahl Kevin Costner nicht zuletzt mit grandiosen, teilweise improvisierten Onelinern („Und sagt Weihnachten ab!“) die Show.
So war er sich auch die perfekte Wahl für die Rolle des missgünstigen, unfairen Lehrers Severus Snape in der Harry Potter-Reihe. Das vermeintliche Ekelpaket erweist sich im Verlauf der Filme als immer komplexere Figur, deren Nuancen Rickman hervorzukitzeln weiß. Sein Fieslings-Image spielte auch in andere Rollen mit hinein: Wenn seine Filmgattin Emma Thompson in der weihnachtlichen Ensemble-RomCom Tatsächlich… Liebe (2003) vermutet, dass ihr Mann sie betrügt, dann ist man schnell geneigt, ihrem Verdacht zu glauben.
Ein erfülltes Künstlerleben
Sein Understatement und die gespielte Genervtheit, die er an den Tag legen konnte, wussten auch Komödien zu nutzen, etwa Dogma (1999), in dem er als Gottesstimme Metatron damit hadert, dass Menschen eher Bibelfilme als die Bibel selbst kennen. Die Star Trek-Parodie Galaxy Quest (1999) könnte beinahe ein Meta-Film sein: Als früher gefeierter Shakespeare-Mime Alexander Dane verzweifelt er daran, nur auf seine Paraderolle in einer Sci-Fi-Serie reduziert zu werden, und hasst nichts so sehr wie seine dortige Catchphrase („Bei Graptars Hammer“).

Aber es ist nur fast ein Meta-Film, denn trotz gelegentlicher Angst vor Typecasting als Bösewicht hatte Rickman ein erfülltes Künstlerleben. Neben Großproduktionen wirkte er auch in Independentfilmen wie der Autismus-Romanze Snow Cake (2006) mit seiner Galaxy Quest-Kollegin Sigourney Weaver mit, kehrte als Schauspieler oft auf die Theaterbühne zurück und inszenierte als Regisseur neben Theaterstücken auch zwei Filme (The Winter Guest, 1997; Die Gärtnerin von Versailles, 2014).
Von Kollegen wurde er als freundlich und zuvorkommend beschrieben. Seine große Liebe Rima Horton lernte er im Alter von 19 Jahren kennen und blieb bis an sein Lebensende mit ihr zusammen. Sie heirateten erst 2012, heimlich. Auch seine tödliche Krebserkrankung offenbarte er nur engen Freunden, sodass sein Verlust die Filmwelt überraschend traf. Der Verlust des besten Antagonisten, den sich ein Held nur wünschen konnte.
Nils Bothmann
Dieser Beitrag stammt aus dem Filmkalender 2026. Unser jährlicher Filmkalender enthält neben dem Kalendarium immer auch zahlreiche Portraits von Filmschaffenden und spannende Textbeiträge.

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