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Die Kunst des Storyboarding

Der Film zwischen Drehbuch und Kamera

Am Anfang vieler großer Filme steht das Storyboard. Ohne dieses würden Filme wie Hitchcocks The Birds (1963) nicht die sein, die das Publikum im Kino zu sehen bekommt. Sie visualisieren Filmszenen noch bevor diese gedreht werden und sind die Schnittstelle zwischen Drehbuch und Kamera. In «Storyboarding – Filmisches Entwerfen» zeigen die Autoren anschaulich, wie Storyboard-Zeichner Drehbücher von Hitchcock oder Walt Disney grafisch zum Leben erwecken.

Das Storyboard ist der Ort, an dem ein Film erfunden wird, wo er Gestalt annimmt. Sowohl die Bewegungen der Protagonisten wie auch die der Kamera – Perspektive, Zoom und Schwenk – werden hier dargestellt und geplant, noch bevor die Kamera das erste mal beginnt, die Bilder einzufangen.

Mehr als ein Comic

Storyboards ähneln im Aufbau durch neben- und untereinander geordnete Bildreihen der Darstellung von Comics, welche etwa zur selben Zeit Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden. Den Comic-Speedlines ähnlich, geben Pfeile die spätere Bewegung der Charaktere vor. Anmerkungen am Rande der Zeichnungen vervollständigen die Szenen. Aneinander gereiht bekommen die Filmschaffenden so den ersten visuellen Eindruck ihres Films, erkennen unlogische oder langatmige Erzählstränge und ersparen sich so unnötige Kosten sowie Zeit bei den Dreharbeiten.

Einige Regisseure lehnen Storyboards zwar ab, weil sie sich in ihrer künstlerischen Entfaltung eingeschränkt sehen. Jedoch sollten Storyboards nicht als bindende Drehvorlagen verstanden werden. Spannend, denn so werden Versionen von Filmen dokumentiert, die vielleicht nie realisiert wurden. Filme, wie sie hätten sein können – und doch nie geworden sind.

Konservierte Filmgeschichte

Tatsächlich aber verfällt diese dokumentarische Funktion, sobald die Storyboards im Papierkorb landen. Nur selten werden sie privat oder in Filmarchiven aufbewahrt. Dort aber werden sie zu einem Teil von Filmgeschichte. Ein Regisseur, der Storyboards intensiv nutze, war Walt Disney: «Bei den Besprechungen im Story Department wurden die maßgeblichen Entscheidungen getroffen, zahlreiche Fotos belegen die Teamarbeit vor der Pinnwand. Der Storyman, häufig Walt Disney selbst, übernahm die Rolle eines Erzählers. Dieser erklärte nicht einfach die Bewegungssequenzen, er ahmte Stimmen und Geräusche nach, und machte aus der Bildbetrachtung ein multisensuales Ereignis, das dem Erlebniswert des realisierten Films bereits recht nahe kam.» (Jaspers)

Zu den wohl bekanntesten erhaltenen Storyboards gehören neben denen von Walt Disney auch die des Zeichners Harold Michelson zu Alfred Hitchcocks The Birds:

«Das Storyboard zu The Birds ist Ausdruck der Arbeit eines Meisters, der an jedem ästhetischen und dramaturgischen Detail feilt, um seine Kinoversion auf die Leinwand zu bringen.» (Jaspers)

Vergleicht man Storyboard und Filmszene der sich auf dem Klettergerüst bedrohlich zusammenscharenden Krähen, zeigt sich der Wert von Hitchcocks und Michelsons Vorarbeit.

Die Vorteile von Storyboards liegen auf der Hand: Dadurch, dass bereits vor Drehbeginn zu sehen ist worum es geht, können Geldgeber vom Drehbuch anschaulich überzeugt werden. Dramaturgische und ästhetische Aspekte können wirkungsvoller geplant, die Inszenierung zielgerichteter konzipiert werden. Für Anfänger im Filmgeschäft ist das Erstellen von Storyboards eine kostengünstige Übungsmethode. Für Filmbegeisterte ein Stück konservierte Filmgeschichte.

Die Autoren von Storyboarding führen die Lesenden mit zahlreichen Abbildungen und Anekdoten in eine Welt ein, die zwischen Drehbuch und Kinoleinwand liegt. Das Storyboard ist dann «keine Beschreibung von etwas Gegebenem (…), sondern für etwas noch zu Erschaffendes.» (Anna Häusler und Jan Henschen in der Einleitung)

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1 Kommentar

  1. Robertnab

    Smart Communications

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